Die GPSR, die EU-Produktsicherheitsverordnung, gilt seit dem 13. Dezember 2024 für praktisch jeden Online-Shop, der Verbraucherprodukte an Kunden in der EU verkauft. Die Frage, die den meisten Händlern schlaflose Nächte bereitet, ist nicht “was ist die GPSR”, sondern viel konkreter: Bin ich GPSR-konform, oder habe ich noch Lücken? Genau diese Frage beantwortet der folgende Selbsttest. Er ersetzt keine Rechtsberatung, aber er zeigt dir in wenigen Minuten, in welchen Bereichen dein Shop bereits sauber aufgestellt ist und wo konkreter Handlungsbedarf besteht, besonders wenn du Ware aus China oder einem anderen Drittland beziehst.
Der Test ist in sieben Bereiche gegliedert, jeder mit zwei bis vier Ja/Nein-Fragen. Beantworte alle Fragen ehrlich, notiere dir jedes Nein und lies danach die Auswertung am Ende des Artikels. Dort erfährst du, ob dein Ergebnis grün, gelb oder rot ausfällt und was als Nächstes zu tun ist.
Für wen ist dieser GPSR-Selbsttest gedacht?
Dieser Selbsttest richtet sich an dich, wenn du Verbraucherprodukte an Kunden in Deutschland oder einem anderen EU-Land verkaufst, unabhängig davon, ob dein Unternehmen selbst in der EU sitzt. Betroffen bist du als Hersteller einer Eigenmarke, als Importeur von Ware aus einem Drittland, als Händler bereits im EU-Markt befindlicher Produkte oder als Fulfillment-Dienstleister. Reine B2B-Geschäfte ohne Verbraucherkontakt fallen meist nicht darunter, ebenso wenige klar abgegrenzte Ausnahmen wie Antiquitäten.
Besonders relevant ist der Test, wenn du:
- Produkte unter eigener Marke aus China oder einem anderen Drittland fertigen lässt
- auf mehreren Marktplätzen gleichzeitig verkaufst, etwa im eigenen Shopify-Store und zusätzlich auf Amazon oder Etsy
- in den letzten Monaten neue Produktkategorien ins Sortiment aufgenommen hast, ohne die Pflichtangaben systematisch zu prüfen
Trifft nichts davon zu und du verkaufst ausschließlich Dienstleistungen oder reine B2B-Ware, kannst du diesen Test in der Regel überspringen. In jedem anderen Fall lohnt sich das vollständige Durcharbeiten.
So funktioniert der Selbsttest

Die sieben Prüfbereiche des GPSR-Selbsttests, von der verantwortlichen Person bis zu Marktplätzen.
Jeder der sieben Bereiche unten prüft eine eigene GPSR-Pflicht. Zähle am Ende zusammen, wie viele Fragen du mit Nein beantwortet hast, sowohl insgesamt als auch pro Bereich. Diese Zahl entscheidet über deine Risikostufe: grün, gelb oder rot. Zu jeder Nein-Antwort findest du direkt einen kurzen Hinweis, was zu tun ist und welcher vertiefende Artikel dir bei der Umsetzung hilft. Der Selbsttest ist bewusst kompakt gehalten. Für die konkrete Schritt-für-Schritt-Umsetzung nach dem Test gibt es zwei ausführlichere Ressourcen: die GPSR-Checkliste mit 10 Schritten für die praktische Reihenfolge und die GPSR-Checkliste mit 25 Prüfpunkten für die vollständige Audit-Vorbereitung.
Bereich 1: Verantwortliche Person und EU-Bevollmächtigter

Das kuratierte EU-AR-Anbieter-Verzeichnis von GPSR Pro für Shops mit Drittland-Sourcing. (Quelle: GPSR Pro)
Frage 1: Hat dein Hersteller oder Importeur einen Firmensitz in der EU? Wenn ja, kann diese Partei häufig selbst als verantwortliche Person auftreten. Wenn nein, geht es weiter zu Frage 2.
Frage 2: Falls kein EU-Sitz vorliegt: Hast du eine EU-verantwortliche Person oder einen EU-Bevollmächtigten benannt? Was tun wenn Nein: Diese Pflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgröße und ist bei Ware aus China oder einem anderen Drittland fast immer relevant. Ohne benannte Person drohen Abmahnungen bereits bei der ersten Kontrolle.
Frage 3: Stehen Name, Adresse und Kontaktdaten dieser Person sowohl auf dem Produkt beziehungsweise der Verpackung als auch auf jeder betroffenen Produktseite im Shop? Was tun wenn Nein: Die Fernabsatzpflicht gilt ausdrücklich auch online. Ergänze die Angaben auf der Produktseite, nicht nur im Footer oder in den AGB.
Bereich 2: Pflichtangaben auf deinen Produktseiten
Frage 4: Stehen Name und eingetragene Handelsbezeichnung des Herstellers auf jeder Produktseite, sichtbar ohne Klick oder Hover? Was tun wenn Nein: Fehlende Pflichtangaben zählen zu den häufigsten Abmahnungsgründen seit Inkrafttreten der Regelung.
Frage 5: Ist eine ladungsfähige Anschrift des Herstellers oder der verantwortlichen Person hinterlegt, mit Straße, Postleitzahl und Land? Was tun wenn Nein: Ein Postfach allein reicht in der Regel nicht. Prüfe, ob die Adresse tatsächlich ladungsfähig ist.
Frage 6: Hast du einen eindeutigen Produktidentifikator, etwa Modell- oder Typennummer, für jede Variante hinterlegt? Was tun wenn Nein: Ohne eindeutige Kennung lässt sich ein betroffenes Produkt bei einer Marktüberwachungsprüfung nicht sauber zuordnen.
Frage 7: Zeigen deine Produktbilder das tatsächlich gelieferte Produkt realistisch, ohne abweichende Verpackung oder Ausstattung? Was tun wenn Nein: Eine Abweichung zwischen Foto und Lieferumfang ist ein zusätzliches, leicht vermeidbares Risiko. Die vollständige Liste aller Pflichtangaben findest du in der GPSR-Checkliste mit 25 Prüfpunkten.
Bereich 3: Sicherheits- und Warnhinweise
Frage 8: Hast du für jede Produktkategorie geprüft, welche Sicherheits- und Warnhinweise verpflichtend sind, etwa Erstickungsgefahr bei Kleinteilen oder Altersbeschränkungen bei Spielzeug? Was tun wenn Nein: Vage Formulierungen wie “bei unsachgemäßem Gebrauch” reichen nicht aus. Die konkreten Formulierungen richten sich nach der jeweiligen Produktkategorie.
Frage 9: Sind diese Warnhinweise im Shop genauso sichtbar wie auf der Verpackung, nicht erst im Lieferschein nach dem Kauf? Was tun wenn Nein: Die Hinweise müssen vor dem Kauf sichtbar sein, nicht erst danach. Ergänze sie direkt auf der Produktseite.
Bereich 4: Rückverfolgbarkeit
Frage 10: Lässt sich jedes verkaufte Produkt bis zur genauen Charge oder Seriennummer zurückverfolgen? Was tun wenn Nein: Ohne diese Zuordnung muss im Ernstfall das komplette Sortiment einer Kategorie vom Markt genommen werden, statt nur die betroffene Charge.
Frage 11: Hast du bei Eigenmarken-Produkten aus einem Drittland eine feste Vereinbarung mit dem Lieferanten, wer die Chargendaten pflegt und wie schnell sie abrufbar sind? Was tun wenn Nein: Genau hier entstehen bei China-Sourcing die größten Lücken, weil die Verantwortung zwischen Lieferant und Shop unklar bleibt.
Bereich 5: Technische Dokumentation
Frage 12: Hast du eine technische Dokumentation mit Sicherheits- und Konformitätsunterlagen für jedes Produkt zusammengestellt? Was tun wenn Nein: Diese Unterlagen müssen laut Artikel 9 GPSR mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden und bei einer Prüfung kurzfristig vorlegbar sein.
Frage 13: Weißt du für jedes Produkt, wo genau diese Dokumentation abgelegt ist und wer im Ernstfall darauf zugreifen kann? Was tun wenn Nein: Eine Dokumentation, die zwar existiert, aber niemand kurzfristig findet, hilft bei einer Kontrolle kaum weiter.
Bereich 6: Sprachen der Pflichtangaben
Frage 14: Liegen deine Pflichtangaben in mindestens einer Amtssprache jedes Ziellandes vor, in das du versendest? Was tun wenn Nein: Rein englische oder rein deutsche Angaben reichen für die meisten EU-Länder nicht aus. Die genauen Sprachanforderungen je Land erklärt der Artikel zu GPSR und Sprachen.
Frage 15: Sind Gebrauchsanleitungen und Warnhinweise in denselben Sprachen verfügbar wie die übrigen Pflichtangaben? Was tun wenn Nein: Eine übersetzte Produktbeschreibung allein reicht nicht, wenn die Sicherheitshinweise nur auf Deutsch vorliegen.
Bereich 7: Marktplätze und mehrere Vertriebskanäle
Frage 16: Sind deine Pflichtangaben auf jedem Marktplatz, auf dem du verkaufst, identisch zu denen in deinem Shopify-Store? Was tun wenn Nein: Marktplätze wie Amazon oder Etsy verlangen die gleichen Angaben, oft aber in einem anderen Format. Unterschiedliche Datenstände zwischen Kanälen sind eine häufige Fehlerquelle.
Frage 17: Hast du geprüft, welche zusätzlichen Pflichten der jeweilige Marktplatzbetreiber dir als Anbieter auferlegt, unabhängig von der GPSR selbst? Was tun wenn Nein: Marktplätze setzen die GPSR teils strenger durch als der eigene Shop und können Listings ohne vollständige Angaben sperren.
Frage 18: Nutzt du für Sicherheitswarnungen oder Rückrufe eine Meldung an das europäische Safety-Gate-System, sobald ein Vorfall bekannt wird? Was tun wenn Nein: Ohne diesen Meldeweg fehlt dir im Ernstfall der offizielle Kanal, über den Marktüberwachungsbehörden und andere Mitgliedstaaten informiert werden.
Frage 19: Hast du einen festen Ablauf, wer im Team eine Sicherheitswarnung meldet und mit welcher Reaktionszeit? Was tun wenn Nein: Ein Rückrufprozess auf dem Papier hilft wenig, wenn im Ernstfall niemand weiß, wer zuständig ist.
Dein Ergebnis auswerten: Rot, Gelb oder Grün?

So ordnest du deine Nein-Antworten den drei Risikostufen zu.
Zähle jetzt zusammen, wie viele der 19 Fragen du mit Nein beantwortet hast. Die folgende Einteilung zeigt dir, wo du stehst und was als Nächstes sinnvoll ist.
Grün: 0 bis 2 Nein-Antworten. Dein Shop ist in den zentralen Bereichen gut aufgestellt. Schließe die verbliebenen Lücken gezielt und plane eine erneute Prüfung, sobald du neue Produkte oder neue Lieferanten aufnimmst.
Gelb: 3 bis 7 Nein-Antworten. Es bestehen mehrere Lücken, aber keine akute Gefahr einer sofortigen Sperrung. Arbeite die betroffenen Bereiche in den nächsten Wochen ab, am besten in der Reihenfolge aus der GPSR-Checkliste mit 10 Schritten. Priorisiere dabei immer zuerst Bereich 1 und Bereich 2, weil fehlende verantwortliche Person und fehlende Pflichtangaben die häufigsten Abmahnungsgründe sind.
Rot: 8 oder mehr Nein-Antworten, oder ein Nein bei Frage 2. Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Eine fehlende verantwortliche Person allein reicht bereits aus, um dein gesamtes Sortiment angreifbar zu machen, unabhängig vom Gesamtergebnis. Arbeite die vollständige 25-Punkte-Checkliste systematisch durch und dokumentiere jeden Schritt, bevor du weitere Produkte listest.
Wenn dein Ergebnis gelb oder rot ausfällt und du merkst, dass die manuelle Pflege bei wachsendem Sortiment kaum noch zu stemmen ist, lohnt sich ein Blick auf automatisierte Lösungen. GPSR Pro deckt genau die Bereiche ab, die in diesem Selbsttest am häufigsten zu Lücken führen: Die KI-Hersteller-Erkennung ordnet Produkte automatisch dem richtigen Hersteller zu, das EU-AR-Verzeichnis verwaltet deine verantwortliche Person zentral, der CE-Konformitätserklärungs-Generator erstellt die nötigen Unterlagen automatisch, LUCID-Sync hält deine Registrierungsdaten aktuell und der Audit-Trail dokumentiert jede Änderung nachvollziehbar für den Ernstfall.

Die sechs Kernfunktionen von GPSR Pro: KI-Auto-Fill, EU-AR-Verzeichnis, 24 EU-Sprachen, Audit-Trail, CE-Konformitätserklärung-Generator und LUCID-Sync. (Quelle: GPSR Pro)
Häufige Fragen zum GPSR-Selbsttest
Wie oft sollte ich den Selbsttest wiederholen?
Wiederhole den Test immer, wenn du neue Produkte oder Produktkategorien aufnimmst, einen neuen Lieferanten oder ein neues Drittland ins Sourcing aufnimmst, oder mindestens einmal pro Quartal als Routine-Check. Compliance ist kein einmaliger Zustand, sondern ändert sich mit jedem neuen Listing.
Was gilt, wenn ich ausschließlich aus China sourced?
Reines China-Sourcing erhöht in der Regel die Zahl der Pflichten, weil du fast immer eine EU-verantwortliche Person benennen musst und die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette hinweg sicherstellen musst. Prüfe Bereich 1 und Bereich 4 dieses Tests besonders sorgfältig, das sind die beiden Bereiche mit den häufigsten Lücken bei Drittland-Sourcing.
Ersetzt dieser Selbsttest eine Rechtsberatung?
Nein, ein Selbsttest ersetzt keine individuelle Rechtsberatung, weil er allgemeine Fragen stellt und keine produktspezifische Einzelfallprüfung leisten kann. Er zeigt dir stattdessen zuverlässig, in welchen Bereichen du selbst nachbessern solltest, bevor eine kostenpflichtige Beratung überhaupt sinnvoll ansetzen kann.
Was ist der Unterschied zwischen diesem Selbsttest und der 25-Punkte-Checkliste?
Der Selbsttest hier gibt dir in wenigen Minuten ein grob priorisiertes Gesamtbild mit Risikostufe, während die 25-Punkte-Checkliste eine vollständige, druckbare Audit-Vorlage für eine detaillierte interne Prüfung ist. Nutze den Selbsttest zuerst, um zu wissen, wie dringend die Checkliste für dich ist.
Was ist der Unterschied zwischen diesem Selbsttest und der 10-Schritte-Anleitung?
Der Selbsttest diagnostiziert, wo genau deine Lücken liegen. Die 10-Schritte-Anleitung erklärt anschließend, wie du jede einzelne Lücke konkret schließt, inklusive Aufwandseinschätzung pro Schritt. Beide Artikel sind bewusst als Paar gedacht: erst prüfen, dann umsetzen.