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GPSR & UKCA-Kennzeichnung: Unterschied zur CE-Kennzeichnung

UKCA-Kennzeichnung vs. CE-Kennzeichnung: Gilt CE noch in Großbritannien? Der Unterschied, Nordirland-Regeln und was Händler in EU und UK jetzt beachten müssen.

GP GPSR Pro Redaktion
6. August 2026 7 Min
Inhalt dieses Artikels

Die CE-Kennzeichnung gilt in Großbritannien für die meisten Produktgruppen weiterhin unbefristet, die UKCA-Kennzeichnung ist ihr britisches Pendant und nur für bestimmte Ausnahmen wie Medizinprodukte zwingend. Wer als Shopify-Händler nach Großbritannien verkauft, stolpert trotzdem früher oder später über beide Begriffe, meist weil ältere Quellen noch von einer Pflicht ab 2025 ausgehen. Diese Pflicht wurde im August 2024 gesetzlich aufgehoben. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. UKCA ist kein Nischenthema, denn wer aus China sourct und sowohl in die EU als auch nach UK verkauft, braucht Klarheit über zwei getrennte Rechtsräume: die GPSR in der EU und die britische Produktkennzeichnung in Großbritannien. Dieser Artikel ordnet beide Systeme ein, zeigt die Unterschiede zwischen UKCA und CE im Detail und liefert eine konkrete Checkliste für Händler, die in beiden Märkten verkaufen wollen.

Was ist die UKCA-Kennzeichnung?

Die UKCA-Kennzeichnung (UK Conformity Assessed) ist das britische Pendant zur CE-Kennzeichnung. Sie zeigt an, dass ein Produkt die gesetzlichen Anforderungen für den Markt in Großbritannien, also England, Wales und Schottland, erfüllt. Eingeführt wurde sie nach dem Brexit, nutzbar ist sie seit dem 1. Januar 2021. Wie bei der CE-Kennzeichnung handelt es sich bei den meisten Produktgruppen um eine Selbsterklärung des Herstellers oder Importeurs, keine automatische behördliche Prüfung. Für einige Produktkategorien, etwa Medizinprodukte, ist dagegen eine verpflichtende Prüfung durch eine im Vereinigten Königreich zugelassene Stelle nötig. Die vollständigen Grundlagen zur europäischen CE-Kennzeichnung selbst, inklusive Ablauf und Kosten, sind im Leitfaden zur CE-Kennzeichnung zusammengefasst.

Gilt die CE-Kennzeichnung noch in Großbritannien?

Ja, und zwar unbefristet für die meisten Produktbereiche. Die britische Regierung hat im August 2024 mit den Product Safety and Metrology etc (Amendment) Regulations 2024 festgelegt, dass CE-gekennzeichnete Produkte in 21 Produktbereichen dauerhaft in Großbritannien in Verkehr gebracht werden dürfen, ganz ohne zusätzliche UKCA-Kennzeichnung. Das betrifft unter anderem:

  • Maschinen und Maschinenbauteile
  • Elektrische Betriebsmittel und Elektronik
  • Funkanlagen
  • Spielzeug
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Stationen von der UKCA-Einführung bis zur Etikettierungsfrist 2027.

Zeitleiste zur UKCA-Kennzeichnung und CE-Anerkennung in Großbritannien von 2021 bis 2027

Von dieser unbefristeten Anerkennung ausgenommen bleiben einzelne, enger regulierte Kategorien. Medizinprodukte sind der klarste Fall: Hier läuft Stand 2026 noch eine Konsultation der britischen Arzneimittelbehörde MHRA darüber, ob CE auch dort dauerhaft anerkannt wird, ein endgültiges Ergebnis steht noch aus. Auch Bauprodukte, Schiffsausrüstung und einzelne Sparten wie Druckgeräte behalten eigene, teils frühere Stichtage für die verpflichtende UKCA-Kennzeichnung. Wer unsicher ist, ob die eigene Produktkategorie zu den Ausnahmen zählt, sollte das vor dem Verkaufsstart in Großbritannien produktspezifisch prüfen, nicht pauschal von der allgemeinen Regel ausgehen. Die offizielle Anleitung der britischen Regierung bestätigt diesen Stand, wie der Screenshot unten zeigt.

Offizielle gov.uk Anleitung zur UKCA-Kennzeichnung und zur unbefristeten CE-Anerkennung in Großbritannien

UKCA vs. CE-Kennzeichnung: Die Unterschiede im Überblick

UKCA und CE sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, unterscheiden sich aber in Geltungsbereich, Rechtsgrundlage und Prüfstelle deutlich. Die Grafik unten fasst die wichtigsten Unterschiede visuell zusammen, bevor die Tabelle ins Detail geht.

Vergleichsgrafik UKCA-Kennzeichnung versus CE-Kennzeichnung mit Geltungsbereich und Nordirland-Status

Die folgende Tabelle stellt beide Kennzeichnungen direkt gegenüber:

MerkmalUKCACE
GeltungsbereichNur Großbritannien (England, Wales, Schottland)EU/EWR, plus die meisten Produktgruppen weiterhin unbefristet in Großbritannien
RechtsgrundlageBritisches Recht nach dem Brexit, unter anderem die Product Safety and Metrology etc (Amendment) Regulations 2024EU-Richtlinien und -Verordnungen
Gültig seit1. Januar 2021Historisch seit den 1990er-Jahren, GB-Anerkennung im August 2024 unbefristet verlängert
Konformitätsbewertung durchUK Approved Body (UKAS-akkreditiert), bei vielen Produkten auch SelbsterklärungEU Notified Body, bei vielen Produkten ebenfalls Selbsterklärung
Status in NordirlandAllein nicht ausreichendVerpflichtend, ergänzt durch UKNI, falls eine britische Prüfstelle beteiligt war

Wichtig für die Praxis: UKCA wird auf dem EU-Markt nicht anerkannt. Wer sowohl in die EU als auch nach Großbritannien verkauft, kommt an CE nicht vorbei und braucht UKCA nur zusätzlich, wenn die eigene Produktkategorie nicht zu den unbefristet anerkannten Bereichen zählt. Eine Doppelkennzeichnung mit CE und UKCA auf demselben Produkt ist zulässig, sofern beide Anforderungssätze tatsächlich erfüllt sind.

UK-Produktkennzeichnung: Regeln, Nordirland und Sonderfälle

Neben der reinen UKCA-vs-CE-Frage gelten für die Produktkennzeichnung in Großbritannien ein paar praktische Regeln, die Händler kennen sollten. Das UKCA-Zeichen darf bis zum 31. Dezember 2027, 23 Uhr, provisorisch angebracht werden, also auf einem Etikett oder einem Begleitdokument statt direkt auf dem Produkt. Danach ist für die meisten Produktkategorien eine feste Anbringung auf dem Produkt selbst erforderlich. Wer das UKCA-Zeichen anbringt, übernimmt damit die volle Verantwortung für die Konformität des Produkts und braucht dafür eine gültige UKCA Declaration of Conformity. Die technische Dokumentation muss in der Regel zehn Jahre aufbewahrt werden, was der Praxis unter der EU-Produktsicherheitsverordnung entspricht.

Braucht Nordirland eine eigene Kennzeichnung?

Ja. Für Nordirland gilt aufgrund des besonderen Status im Vereinigten Königreich eine eigene Regelung: Produkte benötigen dort weiterhin die CE-Kennzeichnung, UKCA allein reicht nicht aus. Bei einzelnen Produktgruppen, für die eine verpflichtende Prüfung durch eine britische Stelle vorgesehen ist, kommt zusätzlich die UKNI-Kennzeichnung hinzu. Optisch ist sie identisch mit dem UKCA-Zeichen, nur mit dem Zusatz “NI”. Besondere Vorschriften bestehen dabei vor allem für Medizin- und Chemieprodukte, Veterinärprodukte, Kraftfahrzeuge sowie Luft- und Raumfahrt. Wer aus der EU oder aus Drittländern nach Nordirland liefert, sollte das getrennt von der Kalkulation für Großbritannien behandeln.

GPSR und UKCA: Zwei getrennte Pflichten für DACH-Händler

Der größte Denkfehler bei diesem Thema ist die Annahme, GPSR-Konformität in der EU decke automatisch auch die britischen Anforderungen ab, oder umgekehrt. Das stimmt nicht. Die GPSR (EU-Verordnung 2023/988) ist EU-Recht und gilt seit dem 13. Dezember 2024 für Produkte, die in der EU auf den Markt gebracht werden. UKCA dagegen ist ein britisches Konformitätskennzeichen, das auf britischem Recht basiert und mit der GPSR rechtlich nichts zu tun hat. Beide Systeme laufen parallel und unabhängig voneinander: Ein Shopify-Shop, der in die EU und nach Großbritannien verkauft, muss beide Pflichtenkataloge separat erfüllen, mit eigener Dokumentation, eigenen Verantwortlichen und eigenen Fristen. Wer bereits eine GPSR-konforme Produktseite für den EU-Markt hat, kann diese Inhalte zwar als Ausgangspunkt nutzen, muss für Großbritannien aber gesondert prüfen, ob CE ausreicht oder UKCA nötig ist. Die grundlegenden GPSR-Pflichten für Online-Händler sind im Leitfaden “Was ist die GPSR?” beschrieben, die Besonderheiten bei UK-Importen nach dem Brexit im Detail im Artikel GPSR für Importe aus UK.

Was Shopify-Händler jetzt konkret tun sollten

Für die tägliche Praxis lässt sich die UKCA-vs-CE-Frage auf eine kurze Checkliste herunterbrechen, besonders für Händler, die aus China sourcen und in mehrere Märkte verkaufen:

  1. Zielmärkte klar trennen: Verkauft der Shop nach Großbritannien, in die EU oder in beide? Die Anforderungen unterscheiden sich pro Markt, nicht pro Produkt allein.
  2. Produktkategorie prüfen: Gehört das Produkt zu den 21 unbefristet CE-anerkannten Bereichen, oder zu einer Ausnahme wie Medizinprodukten, Bauprodukten oder Schiffsausrüstung?
  3. Lieferantenangaben verifizieren: Ein CE-Zeichen auf einem aus China bezogenen Produkt bedeutet nicht automatisch, dass alle Unterlagen für UKCA oder die GPSR vollständig vorliegen, das muss separat geprüft werden.
  4. GPSR- und UK-Pflichten getrennt dokumentieren: EU-Verantwortlicher und UK Responsible Person sind unterschiedliche Rollen mit unterschiedlichen Nachweispflichten.
  5. Nordirland separat behandeln: Falls relevant, CE plus gegebenenfalls UKNI einplanen, nicht UKCA allein.
  6. Fristen im Blick behalten: Die provisorische UKCA-Kennzeichnung auf Etikett oder Begleitdokument ist nur bis zum 31. Dezember 2027 möglich.

Häufige Fragen zu UKCA und CE

Muss ich ab 2025 zwingend UKCA statt CE verwenden? Nein. Für die meisten Produktgruppen bleibt CE in Großbritannien seit August 2024 unbefristet anerkannt. UKCA ist nur für bestimmte Ausnahmen wie Medizinprodukte, Bauprodukte oder Schiffsausrüstung zwingend vorgeschrieben.

Kann ich CE und UKCA gleichzeitig auf einem Produkt verwenden? Ja, eine Doppelkennzeichnung ist zulässig, solange das Produkt die Anforderungen beider Systeme tatsächlich erfüllt. Beide Zeichen müssen dabei klar lesbar bleiben, keines darf das andere in seiner Bedeutung überlagern, und für jeden Markt ist eine eigene, vollständige Konformitätsbewertung samt Declaration of Conformity nötig. CE bleibt für den EU-Binnenmarkt ohnehin zwingend, UKCA wird auf dem EU-Markt nicht anerkannt. Mehr zur rechtlichen Trennung zwischen EU- und UK-Pflichten im Abschnitt “GPSR und UKCA” weiter oben in diesem Artikel.

Reicht die UKCA-Kennzeichnung für Nordirland aus? Nein. Nordirland verlangt weiterhin die CE-Kennzeichnung, in bestimmten Fällen zusätzlich die UKNI-Kennzeichnung. UKCA allein ist dort nicht ausreichend.

Deckt meine GPSR-Konformität in der EU automatisch die britischen Anforderungen ab? Nein. GPSR und UKCA sind zwei getrennte Rechtssysteme mit eigenen Pflichten. Wer in beide Märkte verkauft, muss beide separat erfüllen.

Bis wann darf ich die UKCA-Kennzeichnung provisorisch auf einem Etikett statt direkt am Produkt anbringen? Bis zum 31. Dezember 2027, 23 Uhr, ist das für die meisten Produktkategorien erlaubt. Danach ist in der Regel eine feste Anbringung auf dem Produkt selbst nötig.

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GPSR Pro Redaktion

Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

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