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GPSR auf Amazon: Pflichtangaben & Manager im Vergleich zu Shopify

GPSR auf Amazon: Welche Pflichtangaben du im Seller Central eintragen musst, wie das Compliance Dashboard funktioniert und wie Amazon im Vergleich zu Shopify vorgeht.

GP GPSR Pro Redaktion
16. Juni 2026 12 Min
Inhalt dieses Artikels

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die GPSR. Die General Product Safety Regulation (EU 2023/988) hat den Alltag für Amazon-Seller verändert, und Amazon gehört zu den Plattformen, die die neuen Regeln am konsequentesten durchsetzen. Produkte ohne vollständige Pflichtangaben werden deaktiviert. Bei wiederholten Verstößen droht die Kontosuspension.

Wer gleichzeitig auf Amazon und Shopify verkauft, merkt schnell: Beide Plattformen handhaben die GPSR-Umsetzung grundlegend unterschiedlich. Dieser Guide erklärt, was auf Amazon Pflicht ist, wie du die Daten im Seller Central einträgst und wo die entscheidenden Unterschiede zu Shopify liegen.

Gilt die GPSR für Amazon-Seller?

Ja, für alle die Nicht-Lebensmittel in die EU verkaufen. Der Standort spielt keine Rolle. China-Seller, US-Seller und UK-Seller unterliegen denselben Pflichten wie ein Händler aus München. Entscheidend ist, wo die Käufer sitzen.

Die rechtliche Grundlage ist Artikel 22 GPSR. Darin sind Marktplätze wie Amazon direkt verpflichtet, die Compliance ihrer Seller zu überwachen und nicht-konforme Produkte zu entfernen. Amazon macht das nicht aus eigenem Antrieb so streng, sondern weil das Gesetz es verlangt. Wer das versteht, weiß: Ausnahmen wird es nicht geben.

Für FBA-Seller gilt zusätzlich: Amazon übernimmt im FBA-Modell Lagerung und Versand, nicht aber die regulatorische Verantwortung. Die GPSR-Pflichten bleiben beim Seller.

Welche Produkte fallen unter die Amazon-GPSR?

Fast alle Non-Food-Konsumprodukte. Ausgenommen sind:

  • Arzneimittel und Medizinprodukte
  • Lebensmittel und Futtermittel
  • Lebende Pflanzen und Tiere
  • Fahrzeuge im Straßenverkehr
  • Echte Antiquitäten mit Sammlerstatus

Eine häufige Fehleinschätzung: Wer CE-pflichtige Produkte verkauft, ist nicht automatisch von der GPSR befreit. Spielzeug, Elektrogeräte und Schutzausrüstung unterliegen weiterhin der GPSR für alle Sicherheitsaspekte, die von der produktspezifischen Richtlinie nicht abgedeckt werden. Ein Stecker mit CE-Kennzeichnung braucht trotzdem GPSR-Pflichtangaben.

Für die Praxis: Wenn ein Produkt in der EU an Privatpersonen geht, braucht es GPSR-Angaben. Die sichere Annahme ist, alle Produkte zu pflegen.

Amazon GPSR-Pflichtangaben: Was muss im Angebot stehen?

Amazon verlangt bestimmte Angaben direkt auf der Produktdetailseite. Sichtbar, ohne weiteren Klick. Eine reine Verlinkung auf ein PDF oder eine externe Website reicht nicht.

Die folgende Übersicht zeigt, was konkret erforderlich ist und wo häufige Fehler passieren.

GPSR-Pflichtangaben auf Amazon: Hersteller, EU-Verantwortlicher, Produktidentifikation und Warnhinweise im Überblick

Hersteller- und Importeurdaten

Drei Angaben sind Pflicht:

  • Vollständiger offizieller Name des Herstellers oder Importeurs
  • Komplette Postadresse mit Straße, Hausnummer, PLZ, Ort und Land (keine Postfächer)
  • E-Mail-Adresse oder anderer elektronischer Kontaktweg

Hat der Hersteller keinen EU-Sitz, muss stattdessen der EU-Verantwortliche angegeben werden. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Eindeutige Produktidentifikation

Jedes Produkt braucht ein eindeutiges Identifikationsmerkmal:

  • Modellnummer oder Artikelnummer des Herstellers
  • Seriennummer, Chargennummer oder Losnummer
  • Barcode, EAN oder ein vergleichbarer Code

Die ASIN allein zählt nicht. Sie ist ein internes Amazon-System-Kennzeichen und verweist nicht auf das Produkt selbst.

Sicherheitswarnungen und Gebrauchsanweisungen

Warnhinweise müssen in der Amtssprache des Zielmarkts vorliegen. Wer auf amazon.de, amazon.fr und amazon.it verkauft, braucht Warnhinweise auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Englisch allein genügt nicht.

Amazon bietet zwei Wege:

  • Produktbilder mit sichtbaren Warnaufdrucken: Upload über den Image Manager
  • Textuelle Warnhinweise: direkt in den Listing-Feldern unter “Sicherheitsinformation”

EU-Verantwortlicher auf Amazon: Wer braucht ihn?

Der EU-Verantwortliche (EU Authorised Representative, EU-AR) ist Pflicht, wenn der Hersteller keine EU-Niederlassung hat.

Das betrifft vor allem:

  • China-Seller, die Produkte direkt an EU-Verbraucher liefern oder über Amazon FBA in EU-Lagern einlagern
  • US-Seller mit aktiven EU-Marktplätzen
  • UK-Seller ohne EU-Niederlassung nach dem Brexit

Der EU-AR übernimmt rechtlich die Verantwortung des Herstellers gegenüber EU-Marktüberwachungsbehörden. Er muss eine nachweisbare Betriebsadresse in der EU haben. Briefkastenadressen reichen nicht. Im Rückruffall ist er der primäre Ansprechpartner für die Behörden.

Wichtig für die Amazon-Praxis: Das Compliance-Widget in Seller Central fragt EU-AR-Daten pro Marktplatz getrennt ab. Wer auf amazon.de, amazon.fr und amazon.es aktiv ist, trägt den EU-AR dreimal ein, auch wenn es immer dieselbe Organisation ist. Amazon überträgt die Daten nicht automatisch zwischen Stores.

Ein häufiger Fehler: Manche China-Seller tragen hier ihren Spediteur oder Lagerdienstleister ein. Das ist falsch. Der EU-AR muss die GPSR-Bevollmächtigung explizit übernehmen.

Mehr zur Rolle und zu Dienstleistern: Was der EU-Bevollmächtigte leisten muss

GPSR-Daten in Amazon Seller Central eintragen: Schritt für Schritt

Amazon hat die GPSR-Eingabe im Compliance-Bereich des Account Health Dashboards zentralisiert.

So kommst du hin:

  1. Seller Central öffnen, oben links Hauptmenü anklicken
  2. Unter “Performance” den Punkt “Account Health” wählen
  3. Im Dashboard nach unten scrollen zum Bereich “Compliance verwalten”
  4. “Compliance-Informationen übermitteln” anklicken

Das System öffnet ein seitliches Panel. Dort wählst du zunächst die Marke aus, trägst Hersteller- oder EU-AR-Daten ein und siehst direkt, welche ASINs dieser Marke noch offen sind.

Für Produktdokumente gibt es separate Wege:

  • Produktbilder mit Warnaufdrucken: Upload über Image Manager in der ASIN-Verwaltung
  • Konformitätserklärungen und Testberichte: Upload im Compliance-Bereich des Seller Central

Bei größeren Sortimenten ist das Compliance-Widget schnell zu langsam. Listing-Templates mit dedizierten GPSR-Spalten eignen sich für Bulk-Uploads über viele ASINs gleichzeitig.

Amazon Compliance Dashboard: Funktionen und Grenzen

Das Compliance Dashboard in Account Health ist Amazons zentrales Werkzeug für die GPSR-Übersicht.

Was es bietet:

  • Compliance-Status pro ASIN (vollständig, unvollständig, flagged)
  • Alerts bei fehlenden oder nicht akzeptierten Angaben
  • Einsicht in die Compliance-Historie einzelner Produkte
  • Direktzugriff auf flagged Issues mit der Möglichkeit zur sofortigen Nachbearbeitung

Wo die Grenzen liegen:

Kein KI-gestütztes Ausfüllen der Pflichtfelder. Kein automatischer Support für alle 24 EU-Amtssprachen. Keine LUCID-Integration für das deutsche Verpackungsregister. Kein automatischer Audit-Trail mit Zeitstempel und digitaler Signatur. Kein CE-Konformitätserklärungsgenerator.

Das Dashboard reicht für kleinere Sortimente mit wenigen EU-Marktplätzen. Für größere Kataloge oder Anforderungen, die über die reine Amazon-Compliance hinausgehen, braucht man ergänzende Werkzeuge.

Was passiert, wenn Amazon-Seller die GPSR ignorieren?

Amazon setzt die GPSR aktiv durch. Die Konsequenzen sind gestuft.

Sofort: Angebote ohne vollständige GPSR-Angaben werden deaktiviert. Das passiert automatisch, nicht erst nach manueller Prüfung. Das Listing verschwindet aus den Suchergebnissen.

Mittelfristig: Wiederholte Verstöße fließen in den Account Health Score ein. Bei schwerwiegenden oder wiederholten Fällen kann das Konto gesperrt werden. Die Reaktivierung setzt die vollständige Nachlieferung der fehlenden Daten voraus.

Rechtlich außerhalb von Amazon: Dazu kommen Risiken, die die Plattform nicht kontrolliert:

  • Abmahnungen durch Mitbewerber (ein nicht-komplianter Seller hat einen Kostenvorteil, der abmahnbar ist)
  • Produktrückrufe durch nationale Marktüberwachungsbehörden
  • Schadensersatzforderungen von Verbrauchern bei nachgewiesenem Produktschaden

Mehr zur rechtlichen Dimension: GPSR-Abmahnung: Was droht und wie du dich schützt

Amazon vs. Shopify: GPSR-Umsetzung im Vergleich

Der fundamentalste Unterschied liegt im Enforcement. Amazon prüft aktiv. Shopify nicht.

Das klingt nach einem Detail. Es ist keins. Die praktischen Konsequenzen sind erheblich.

Das folgende Schaubild zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Plattformen auf einen Blick.

GPSR auf Amazon vs. Shopify: Enforcement, Compliance-Prüfung und Tools im direkten Vergleich

Amazon-Seller, die nicht compliant sind, merken es sofort, weil Listings deaktiviert werden. Das erzwingt eine schnelle Lösung.

Shopify-Händler können Monate lang nicht-konform verkaufen, ohne dass die Plattform eingreift. Das Risiko bleibt latent. Es wird erst konkret bei einem Abmahnschreiben oder einer Behördenanfrage. Fehlende Plattform-Kontrolle erzeugt ein falsches Sicherheitsgefühl.

Händler auf beiden Kanälen haben ein asymmetrisches Risikobild: Amazon erzwingt Compliance, Shopify überlässt sie dem Händler.

Mehr zur GPSR-Umsetzung auf Shopify: GPSR auf Shopify einrichten: Pflichtangaben automatisch anzeigen

GPSR Management Tools für Amazon und Shopify

Für die GPSR-Compliance stehen je nach Plattform sehr unterschiedliche Werkzeuge bereit.

Tools für Amazon-Seller

Amazon Compliance Dashboard (nativ) Kostenlos, direkt in Seller Central. Ausreichend für kleinere Sortimente mit wenigen EU-Marktplätzen. Grenzen: vollständig manuelle Dateneingabe, kein Mehrsprachen-Support, keine externe Dokumentenverwaltung.

ComplyGPSR von Autron Drittanbieter-Tool speziell für Amazon-Seller. Ermöglicht zentralisierte Compliance-Verwaltung über viele ASINs. Unterstützt die Dokumentenpflege und bietet eine Übersicht über den gesamten Katalog.

Pangoron KI-gestütztes Tool für Amazon-Seller. Analysiert Produktdaten und erkennt GPSR-Lücken automatisch, bevor Amazon eine Deaktivierung auslöst.

Tools für Shopify-Seller

GPSR Pro ist eine Shopify-App, die GPSR-Pflichtangaben direkt in die Produktdetailseite integriert. Kein Code nötig. Die App ist der native Compliance-Weg für Shopify-Stores.

GPSR Pro: Shopify-App für GPSR-Compliance mit KI-Hersteller-Erkennung, 24 EU-Sprachen und Audit-Trail

Kernfunktionen:

  • KI-gestütztes Ausfüllen der Pflichtfelder aus vorhandenen Produktdaten
  • Automatische Übersetzung in 24 EU-Amtssprachen
  • CE-Konformitätserklärungsgenerator für EU-Direktiven
  • LUCID-Sync für das deutsche Verpackungsregister
  • Gerichtsfester Audit-Trail mit Zeitstempel und digitaler Signatur

Der wichtigste Unterschied zum Amazon-Dashboard: Shopify zeigt ohne aktive Implementierung keine GPSR-Angaben auf der Produktseite an. Eine App übernimmt diese Aufgabe und dokumentiert sie rechtssicher. Amazon macht das über seinen nativen Compliance-Workflow, Shopify nicht.

Mehr über den Vergleich mit GCM-Compliance: GPSR Pro vs. GCM im Vergleich

Häufige Fragen zu GPSR auf Amazon

Muss ein China-Seller auf Amazon einen EU-Verantwortlichen benennen?

Ja, ein China-Seller braucht zwingend einen EU-Verantwortlichen. Ohne EU-Niederlassung können die GPSR-Marktüberwachungspflichten nicht erfüllt werden. Amazon fordert die EU-AR-Daten für jeden EU-Marktplatz separat im Compliance-Widget. Produkte ohne diese Angaben können nicht aktiv gelistet bleiben.

Gilt die GPSR auch für das Amazon Vendor-Programm?

Ja, die GPSR gilt auch für Vendoren. Im Vendor-Programm kauft Amazon Produkte direkt vom Lieferanten. Das entbindet den Vendor aber nicht von seinen GPSR-Pflichten als Hersteller oder Importeur. Die genaue Verantwortungszuordnung sollte mit dem Vendor-Manager oder Rechtsberatung geklärt werden.

Was genau entfernt Amazon bei einem GPSR-Verstoß?

Amazon deaktiviert zunächst das betroffene einzelne Angebot (ASIN). Das Produkt verschwindet aus Suchergebnissen und ist nicht mehr kaufbar. Bei wiederholten Verstößen kann das gesamte Konto gesperrt werden. Die Reaktivierung erfordert vollständige GPSR-Daten und in manchen Fällen eine Stellungnahme an das Seller Performance Team.

Wie oft muss man GPSR-Daten bei Amazon aktualisieren?

Eine feste Frist gibt es nicht. Pflicht ist eine sofortige Aktualisierung, wenn sich Hersteller, Importeur, EU-Verantwortlicher oder Sicherheitsangaben ändern. Amazons Compliance Dashboard zeigt auch Einträge an, die als veraltet oder fehlerhaft markiert wurden. Diese müssen zeitnah korrigiert werden.

Kann man GPSR-Daten bei Amazon per Bulk-Upload eintragen?

Ja. Listing-Templates enthalten dedizierte Spalten für GPSR-Daten. Das ist bei mehr als ein paar Dutzend ASINs der deutlich effizientere Weg. Das Compliance Dashboard eignet sich für Einzeleingaben und Korrekturen.

Gilt die GPSR-Pflicht auch bei Lagerung in EU-Drittlagern?

Ja. Die Compliance-Pflicht gilt unabhängig von der Lagerstrategie. Wer FBA, FBM oder Third-Party Logistics in der EU nutzt, muss vollständige GPSR-Angaben hinterlegen. Die Art der Lagerung ändert nichts an der regulatorischen Pflicht.

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GPSR Pro Redaktion

Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

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