GP GPSR Pro Kostenlos installieren
GS-Zeichen

GS-Zeichen: Bedeutung, Vergabe und Unterschied zur CE-Kennzeichnung

GS-Zeichen einfach erklärt: Was Geprüfte Sicherheit bedeutet, wer das GS-Zertifikat vergibt, was es kostet und wie es sich von CE unterscheidet.

GP GPSR Pro Redaktion
3. September 2026 9 Min
Inhalt dieses Artikels

Das GS-Zeichen steht für “Geprüfte Sicherheit” und ist eines der bekanntesten freiwilligen Sicherheitszeichen in Deutschland. Anders als die CE-Kennzeichnung beruht es auf einer echten Prüfung durch eine unabhängige Stelle, nicht auf einer Selbsterklärung des Herstellers. Für Shopify-Händler, die Produkte aus Drittländern importieren oder sich am Markt von der Konkurrenz abheben wollen, stellt sich oft die Frage, ob sich die freiwillige GS-Zertifizierung lohnt und wie sie sich zu den ohnehin verpflichtenden CE- und GPSR-Anforderungen verhält. Dieser Leitfaden erklärt, was das GS-Zeichen bedeutet, wer es vergibt, was es kostet und worin der zentrale Unterschied zur CE-Kennzeichnung liegt.

Was ist das GS-Zeichen? (Bedeutung und Definition)

Das GS-Zeichen ist ein freiwilliges Prüfzeichen für “Geprüfte Sicherheit”. Eine unabhängige, akkreditierte Prüfstelle vergibt es nach eingehender Produktprüfung, die Rechtsgrundlage bildet § 20 des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG). Eingeführt wurde das Zeichen 1977 in Deutschland. Seither gilt es als eines der ältesten und bekanntesten Sicherheitssiegel im deutschsprachigen Raum.

Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick, bevor es ins Detail geht:

GS-Zeichen auf einen Blick: Einführung 1977, Rechtsgrundlage Paragraf 20 ProdSG, freiwilliges Prüfzeichen, 5 Jahre Gültigkeit

Im Gegensatz zu vielen anderen Kennzeichen prüft bei GS nicht der Hersteller selbst, sondern eine zugelassene Prüfstelle (GS-Stelle) das Produkt auf Herz und Nieren. Zwei Fragen stehen im Zentrum der Prüfung. Erfüllt das Produkt die Sicherheitsanforderungen nach § 3 ProdSG oder den einschlägigen europäischen Richtlinien und Verordnungen? Und geht von ihm bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sowie vorhersehbarer Fehlanwendung keine Gefahr für Sicherheit und Gesundheit aus?

Wichtig: GS-Zeichen und “Geprüfte Sicherheit” bezeichnen dasselbe Siegel. Manche Prüfstellen und Fachtexte sprechen auch vom “GS-Siegel” oder “GS-Zertifikat”. Gemeint ist in allen Fällen dasselbe freiwillige Prüfzeichen nach § 20 ProdSG.

Wer den genauen Gesetzestext nachlesen möchte, findet die Vergabevoraussetzungen direkt im Bundesgesetzblatt-Portal:

Screenshot des Gesetzestexts zu Paragraf 20 ProdSG mit den Vergabevoraussetzungen für das GS-Zeichen

Wer vergibt das GS-Zeichen? (GS-Stellen und Prüfverfahren)

Das GS-Zeichen vergibt eine GS-Stelle, also eine Konformitätsbewertungsstelle (KBS), die von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) als GS-Stelle anerkannt wurde. Die Anforderungen an eine solche Prüfstelle regelt § 21 ProdSG. Bekannte GS-Stellen in Deutschland sind unter anderem:

  • TÜV Rheinland, TÜV SÜD, TÜV NORD
  • DEKRA
  • DGUV Test (Prüf- und Zertifizierungsstellen der gesetzlichen Unfallversicherung)
  • Weitere von der ZLS gelistete akkreditierte Prüfstellen

Der Hersteller oder sein Bevollmächtigter beantragt die GS-Zertifizierung bei einer dieser Stellen. Die GS-Stelle unterzieht ein Baumuster des Produkts einer Baumusterprüfung, prüft die technische Dokumentation und führt in der Regel eine Werksbesichtigung durch, um sicherzustellen, dass die laufende Fertigung dem geprüften Baumuster entspricht. Erst nach bestandener Prüfung und vertraglich vereinbarter Fertigungsüberwachung darf das GS-Zeichen zusammen mit der Kennnummer der Prüfstelle am Produkt angebracht werden.

GS-Zeichen vs. CE-Kennzeichnung: Was ist der Unterschied?

GS-Zeichen und CE-Kennzeichnung werden häufig verwechselt, unterscheiden sich aber grundlegend in Wesen, Vergabe und Aussagekraft. Bei CE reicht für die meisten Produktkategorien eine Herstellererklärung ohne verpflichtende Drittprüfung. Beim GS-Zeichen ist das anders: Es setzt immer eine echte Prüfung durch eine unabhängige, akkreditierte Stelle voraus.

Die folgende Grafik stellt beide Zeichen direkt gegenüber:

Vergleich GS-Zeichen und CE-Kennzeichnung: freiwillige Prüfung durch unabhängige Stelle gegen verpflichtende Herstellererklärung

Die wichtigsten Unterschiede lassen sich auch tabellarisch zusammenfassen:

MerkmalGS-ZeichenCE-Kennzeichnung
StatusFreiwilligFür betroffene Produktkategorien gesetzlich vorgeschrieben
Vergabe durchUnabhängige, akkreditierte GS-Stelle (z.B. TÜV, DEKRA, DGUV Test)Hersteller oder Importeur selbst (Selbsterklärung)
Unabhängige Prüfung?Ja, immer eine echte ProduktprüfungNur bei bestimmten Risikoklassen und Richtlinien Pflicht
Rechtsgrundlage§ 20 ProdSGJeweilige EU-Richtlinie bzw. -Verordnung (z.B. LVD, EMV, Spielzeugrichtlinie)
GeltungsbereichVor allem Deutschland, international als Qualitätsmerkmal anerkanntGesamter EWR (EU, Norwegen, Island, Liechtenstein)
GültigkeitsdauerMaximal 5 Jahre (§ 20 Abs. 5 ProdSG)Kein Ablaufdatum, solange sich das Produkt nicht wesentlich ändert

Kurz gesagt: CE beantwortet die Frage “Darf dieses Produkt überhaupt in der EU verkauft werden?”. GS beantwortet eine andere Frage: “Hat eine unabhängige Stelle die Sicherheit dieses Produkts tatsächlich geprüft und bestätigt?” Ein Händler kann beide Zeichen kombinieren. Eine Ausnahme gibt es trotzdem. Für CE-pflichtige Produkte, deren Richtlinie bereits inhaltlich gleichwertige Anforderungen an die Sicherheit stellt, schließt § 20 Abs. 2 ProdSG eine doppelte Kennzeichnung aus, wenn die GS-Prüfung keine zusätzliche Aussage mehr treffen würde. In der Praxis betrifft das vor allem Produkte, bei denen die CE-Richtlinie bereits eine Prüfung durch eine Benannte Stelle vorschreibt.

Wer die vollständigen Pflichten und den siebenstufigen Prozess zur CE-Kennzeichnung im Detail nachlesen möchte, findet den kompletten Leitfaden im CE-Kennzeichnung Guide dieser Seite.

Ist das GS-Zeichen gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, das GS-Zeichen ist freiwillig. Kein Hersteller oder Importeur ist verpflichtet, sein Produkt nach GS prüfen und zertifizieren zu lassen, auch wenn das Produkt unter den Anwendungsbereich des § 20 ProdSG fällt. Die Entscheidung für eine GS-Zertifizierung ist eine unternehmerische, keine gesetzliche.

Das ändert nichts an den ohnehin verpflichtenden Anforderungen. Produkte, die unter eine EU-Richtlinie fallen, brauchen weiterhin die CE-Kennzeichnung, und alle Verbraucherprodukte müssen seit Dezember 2024 die Vorgaben der EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) erfüllen. Das GS-Zeichen ersetzt keine dieser Pflichten. Es ist ein zusätzliches, freiwilliges Vertrauenssignal, kein Ersatz für gesetzliche Konformität.

Wie läuft die GS-Zertifizierung ab?

Der Weg zum GS-Zeichen folgt bei den meisten Prüfstellen einem ähnlichen Ablauf:

Ablauf der GS-Zertifizierung in 6 Schritten von Angebotsanfrage bis Zertifikatserteilung

  1. Angebotsanfrage und Auftragserteilung: Der Hersteller kontaktiert eine GS-Stelle und beauftragt die Zertifizierung auf Basis eines Angebots.
  2. Bereitstellung von Prüfmustern und Dokumenten: Produktmuster und die technische Dokumentation (Konstruktionsunterlagen, Risikobeurteilung, Prüfberichte) gehen an die GS-Stelle.
  3. Baumusterprüfung: Die GS-Stelle prüft das Baumuster nach den einschlägigen Sicherheitsnormen und Anforderungen des Ausschusses für Produktsicherheit (AfPS).
  4. Werksbesichtigung: Ein Auditor prüft vor Ort oder remote, ob die laufende Fertigung dem geprüften Baumuster entspricht und die Qualitätssicherung ausreicht.
  5. Vereinbarung zur Fertigungsüberwachung: Hersteller und GS-Stelle legen fest, wie die laufende Produktion stichprobenartig überwacht wird.
  6. Zertifikatserteilung und Anbringung: Nach bestandener Prüfung erteilt die GS-Stelle das Zertifikat, das GS-Zeichen darf zusammen mit der Kennnummer der Prüfstelle am Produkt angebracht werden.

Je nach Produktkomplexität und Auslastung der Prüfstelle dauert der gesamte Prozess von der Antragstellung bis zur Zertifikatserteilung mehrere Wochen bis wenige Monate.

Was kostet das GS-Zeichen?

Eine amtliche Preisliste für die GS-Zertifizierung gibt es nicht. Die Kosten hängen von Produktkategorie, Komplexität, notwendigen Prüfnormen und der gewählten Prüfstelle ab. Zur Orientierung, basierend auf marktüblichen Preisspannen für vergleichbare Baumusterprüfungen:

SzenarioOrientierungsrahmen
Einfaches Konsumprodukt (z.B. Haushaltsartikel, Spielzeug)1.500 bis 4.000 Euro
Elektrogerät mit Prüfung nach mehreren Normen (Niederspannung, EMV)3.000 bis 8.000 Euro
Komplexes Produkt mit hohem Prüfaufwand oder mehreren Varianten8.000 bis 20.000 Euro und mehr
Laufende Fertigungsüberwachung (jährlich)500 bis 2.000 Euro pro Jahr

Diese Beträge sind Praxis-Orientierung, keine Festpreise. Wer mehrere Angebote einholt, sollte auf den Umfang der Baumusterprüfung, die Häufigkeit der Werksüberwachung und darauf achten, ob Nachprüfungen bei Produktänderungen im Preis enthalten sind.

Wie lange ist das GS-Zeichen gültig?

Die Zuerkennung des GS-Zeichens ist nach § 20 Abs. 5 ProdSG auf höchstens 5 Jahre befristet. Alternativ kann die GS-Stelle die Vergabe auch auf eine bestimmte Fertigungsmenge (Kontingent) begrenzen, statt auf einen Zeitraum. Nach Ablauf der Frist muss das Produkt erneut geprüft werden, wenn das Zeichen weiter genutzt werden soll. Ändert sich das Produkt, seine Bauteile oder der Fertigungsprozess wesentlich, muss die zuständige GS-Stelle vorab informiert werden. Sie entscheidet dann, ob eine Nachprüfung notwendig ist und das Zeichen bis dahin gültig bleibt.

GS-Zeichen und GPSR: Was bedeutet das für Shopify-Händler?

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt für alle in der EU verkauften Verbraucherprodukte die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR, EU 2023/988). Sie verlangt unabhängig vom GS-Zeichen, dass jede Produktseite im Onlineshop bestimmte Pflichtangaben nach Art. 19 GPSR enthält: Kontaktdaten des Herstellers oder EU-Verantwortlichen, eindeutige Produktidentifikation, Warnhinweise in der Sprache des Zielmarkts und den Zugang zur Konformitätserklärung, sofern vorhanden.

Ein GS-Zeichen befreit nicht von diesen Pflichten und ist auch keine Voraussetzung dafür. Für Shopify-Händler kann das GS-Zeichen trotzdem sinnvoll sein, wenn es als zusätzliches Vertrauenssignal neben den ohnehin verpflichtenden GPSR-Angaben kommuniziert wird, etwa bei sicherheitssensiblen Produkten wie Elektrogeräten, Kinderprodukten oder Möbeln, bei denen Käufer aktiv nach einer unabhängigen Prüfung suchen. Wer ein GS-Zeichen besitzt, sollte das Prüfzertifikat und die zugehörige Zertifikatsnummer sichtbar auf der Produktseite kommunizieren, getrennt von den gesetzlich vorgeschriebenen GPSR-Pflichtangaben. Tools wie GPSR Pro helfen dabei, die verpflichtenden Art.-19-Angaben strukturiert auf allen Produktseiten zu pflegen, während zusätzliche freiwillige Siegel wie GS separat ausgewiesen werden.

Häufige Fragen zum GS-Zeichen

Was bedeutet das GS-Zeichen genau?

GS steht für “Geprüfte Sicherheit”. Das Zeichen bestätigt, dass eine unabhängige, akkreditierte Prüfstelle ein Produkt nach § 20 ProdSG auf Sicherheit geprüft hat. Es ist freiwillig und ersetzt keine gesetzlichen Pflichten wie CE oder GPSR.

Ist das GS-Zeichen dasselbe wie die CE-Kennzeichnung?

Nein, beide Zeichen sind grundlegend verschieden. CE ist eine verpflichtende Herstellererklärung ohne generelle Drittprüfungspflicht, das GS-Zeichen ist ein freiwilliges Siegel, das immer eine echte Prüfung durch eine unabhängige Stelle voraussetzt. Ein Produkt kann beide Zeichen tragen, sofern § 20 Abs. 2 ProdSG keine doppelte Kennzeichnung ausschließt.

Wer darf das GS-Zeichen vergeben?

Nur eine von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) anerkannte GS-Stelle darf das GS-Zeichen vergeben. Bekannte Beispiele sind TÜV Rheinland, TÜV SÜD, TÜV NORD, DEKRA und DGUV Test.

Für welche Produkte kann ein GS-Zeichen beantragt werden?

Grundsätzlich für alle verwendungsfertigen Verbraucherprodukte, die den Anforderungen des § 3 ProdSG oder der einschlägigen europäischen Sicherheitsvorschriften unterliegen, etwa Elektrogeräte, Möbel, Spielzeug, Freizeit- und Gartengeräte sowie persönliche Schutzausrüstung. Nicht verwendungsfertige Bauteile und bestimmte gebrauchte Produkte sind in der Regel ausgeschlossen.

Muss ich als Shopify-Händler ein GS-Zeichen beantragen?

Nein, das GS-Zeichen ist freiwillig und keine Voraussetzung für den Verkauf über Shopify. Verpflichtend bleiben die produktspezifischen CE-Anforderungen, sofern anwendbar, sowie die GPSR-Pflichtangaben nach Art. 19 auf jeder Produktseite. Ein GS-Zeichen kann zusätzlich sinnvoll sein, um Vertrauen bei sicherheitssensiblen Produkten zu stärken.

GP

GPSR Pro Redaktion

Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

Weiterlesen