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EN 71

EN 71: Die Spielzeugnorm im Überblick (Teile, Pflichten, Prüfung)

EN 71 einfach erklärt: alle Teile von EN 71-1 bis EN 71-14, der Unterschied zu DIN EN 71, Prüfpflicht für Shopify-Händler und die neue Spielzeugverordnung.

GP GPSR Pro Redaktion
5. September 2026 9 Min
Inhalt dieses Artikels

EN 71 ist die harmonisierte europäische Normenreihe für die Sicherheit von Spielzeug. Wer als Shopify-Händler Spielzeug in der EU verkauft, kommt an dieser Norm nicht vorbei, unabhängig davon, ob die Ware aus eigener Herstellung stammt oder aus China importiert wird. Dieser Leitfaden geht über die üblichen Kurzerklärungen hinaus: Er zeigt die vollständige Normenreihe von EN 71-1 bis EN 71-14, erklärt den Unterschied zwischen EN 71 und DIN EN 71, führt durch den praktischen Prüfprozess für China-Import und ordnet EN 71 in die neue EU-Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509 ein.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • EN 71 ist eine harmonisierte Norm unter der Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG. Wer sie einhält, profitiert von der Konformitätsvermutung.
  • Die Normenreihe hat weit mehr als die oft zitierten vier Teile: Insgesamt sind es 13 aktuell dokumentierte Teile (nummeriert von 1 bis 14, wobei die Nummerierung eine Lücke hat), von mechanischen Eigenschaften bis zu Trampolinen für den häuslichen Gebrauch.
  • DIN EN 71 und EN 71 sind inhaltlich identisch. Das DIN-Präfix kennzeichnet lediglich die deutsche nationale Übernahme der europäischen Norm.
  • Ein offizielles “EN-71-Zertifikat” gibt es nicht. Es existieren nur produktspezifische Prüfberichte akkreditierter Labore.
  • Die neue Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509 ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft und gilt ab dem 1. August 2030 vollständig. Bis dahin bleibt die alte Spielzeugrichtlinie anwendbar.

Was ist EN 71? Rechtliche Einordnung und Konformitätsvermutung

EN 71 ist eine mehrteilige harmonisierte Norm, die konkretisiert, welche Sicherheitsanforderungen Spielzeug in der EU erfüllen muss. Rechtliche Grundlage ist aktuell noch die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG, die festlegt, dass Spielzeug beim Inverkehrbringen sicher sein muss, aber offen lässt, wie genau das nachgewiesen wird. Genau diese Lücke füllt EN 71.

Wer ein Produkt nach den einschlägigen EN-71-Teilen prüfen lässt und die Ergebnisse dokumentiert, profitiert von der sogenannten Konformitätsvermutung: Die Marktaufsicht geht davon aus, dass ein Produkt die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt, wenn es die harmonisierte Norm einhält. Das entbindet Hersteller und Importeure nicht von der eigenen Sorgfaltspflicht, erleichtert aber den Nachweis erheblich gegenüber einer rein individuellen Risikobeurteilung ohne Normbezug.

Herausgegeben wird EN 71 vom Europäischen Komitee für Normung (CEN). Die Normenreihe wird regelmäßig überarbeitet, zuletzt wurden im Februar 2026 zwei aktualisierte EN71-Normteile im Rahmen des Übergangs von der Spielzeugrichtlinie zur neuen Spielzeugverordnung veröffentlicht. Allgemeine Fragen zu CE-Kennzeichnung, Alterswarnungen und dem EU-Bevollmächtigten für Spielzeug beantwortet der ausführlichere Leitfaden zu GPSR für Spielzeug; dieser Artikel konzentriert sich ausschließlich auf die EN-71-Normenreihe selbst.

Die EN-71-Normenreihe im Überblick: Alle Teile von EN 71-1 bis EN 71-14

Die meisten Übersichten nennen nur vier Teile: mechanische Eigenschaften, Entflammbarkeit, Migration von Elementen und Aktivitätsspielzeug. Tatsächlich umfasst die Normenreihe insgesamt 13 aktuell dokumentierte Teile, von denen für die meisten Shopify-Händler mit klassischem Spielzeugsortiment vor allem die ersten drei relevant sind, während Nischenkategorien wie Chemiespielzeug, Fingerfarben oder Trampoline eigene Teile besitzen.

EN 71 Normenreihe im Überblick: Teile 1 bis 14 mit Kurzbeschreibung

TeilTitelKurzbeschreibung
EN 71-1Mechanische und physikalische EigenschaftenKleinteile, scharfe Kanten, Erstickungsrisiko, Stabilität
EN 71-2EntflammbarkeitBrennverhalten, betrifft vor allem Kostüme und Verkleidungen
EN 71-3Migration bestimmter ElementeGrenzwerte für Blei, Cadmium, Chrom VI, Barium, Antimon u. a.
EN 71-4Experimentierkästen für Chemie und verwandte TätigkeitenSicherheitsanforderungen an chemische Experimentiersets
EN 71-5Chemiespielzeug außer ExperimentierkästenWeitere chemische Spielzeugsets mit kontrollierter Stoffnutzung
EN 71-7FingerfarbenAnforderungen und Prüfverfahren für Fingerfarben
EN 71-8Aktivitätsspielzeug für den häuslichen GebrauchSchaukeln, Rutschen, Klettergeräte für den Innenbereich
EN 71-9Organische chemische Verbindungen: AnforderungenGrenzwerte für bestimmte organische Verbindungen in Spielzeug
EN 71-10Organische chemische Verbindungen: ProbenvorbereitungMethodik zur Probenextraktion für Teil 9 und Teil 11
EN 71-11Organische chemische Verbindungen: AnalysemethodenPrüfmethoden zur Bestimmung organischer Verbindungen
EN 71-12N-Nitrosamine und N-nitrosierbare StoffeGrenzwerte für bestimmte Nitrosamine in Spielzeug für Kleinkinder
EN 71-13Riech-, Geruchs- und andere BrettspieleAnforderungen an olfaktorische Spiele, Kosmetik- und Geschmackssets
EN 71-14Trampoline für den häuslichen GebrauchSicherheitsanforderungen an Haushaltstrampoline

Für ein klassisches Kunststoff- oder Plüschspielzeug ohne chemische oder mechanische Sonderfunktion sind in der Praxis meist EN 71-1, EN 71-3 und, bei körpernah getragenen Artikeln wie Kostümen, zusätzlich EN 71-2 relevant. Chemiespielzeug, Fingerfarben, Aktivitätsspielzeug für den häuslichen Gebrauch oder Trampoline benötigen zusätzlich die jeweils spezifischen Teile 4, 5, 7, 8 oder 14. Welche Teile im Einzelfall greifen, hängt von der Produktkategorie und der Zielgruppe (insbesondere dem Alter) ab; im Zweifel liefert das Prüflabor eine verbindliche Einschätzung anhand der Produktbeschreibung.

Die Normenreihe wird zudem laufend erweitert: Seit 2026 gibt es mit EN 71-20 einen neuen Teil, der die mikrobiologische Sicherheit von Spielzeug regelt, das zugängliche wässrige Medien enthält, etwa Badespielzeug oder Wasserspielzeug für den Sandkasten. Dieser Teil ist so aktuell, dass er in den meisten deutschsprachigen Übersichten noch nicht auftaucht; wer entsprechende Produkte anbietet, sollte ihn bei der nächsten Produktprüfung gezielt beim Prüflabor ansprechen.

DIN EN 71 und EN 71: Gibt es einen Unterschied?

Nein, inhaltlich nicht. DIN EN 71 ist die deutsche nationale Bezeichnung für dieselbe harmonisierte europäische Norm, die auf europäischer Ebene als EN 71 geführt wird. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) übernimmt europäische Normen des CEN unverändert in das deutsche Normenwerk und versieht sie mit dem Präfix “DIN”. Ein Prüfbericht, der sich auf “DIN EN 71-3” bezieht, prüft exakt dieselben Anforderungen wie ein Bericht, der “EN 71-3” nennt. Für Händler bedeutet das: Beide Bezeichnungen sind austauschbar, es handelt sich nicht um zwei unterschiedliche Normen mit unterschiedlichen Anforderungen.

Ist eine EN-71-Prüfung Pflicht? Wer testen muss und wer nicht

Ja, grundsätzlich ist die Einhaltung von EN 71 für jeden verpflichtend, der Spielzeug in der EU erstmals in Verkehr bringt. Das betrifft nicht nur Hersteller im engeren Sinne, sondern auch Importeure aus Drittländern wie China und Händler, die Spielzeug unter eigener Marke (Eigenmarke, Private Label) verkaufen.

Wer konkret testen lassen muss, lässt sich anhand einer einfachen Unterscheidung klären:

  • Eigenmarke oder eigene Herstellung: Testpflicht liegt beim Händler selbst. Ein fremder Prüfbericht ohne eigene Prüfung reicht nicht aus.
  • Weiterverkauf bereits gebrandeter Markenware unverändert: Der ursprüngliche Hersteller trägt die Testpflicht; ein bloßer Wiederverkäufer unveränderter Markenartikel muss in der Regel keinen eigenen Test in Auftrag geben.
  • Import aus China mit eigenem Branding oder Modifikation: Testpflicht liegt beim Importeur, unabhängig davon, ob der chinesische Lieferant bereits einen eigenen Prüfbericht vorlegt.

Zusätzlich zur eigentlichen Prüfung verlangt die Spielzeugrichtlinie eine dokumentierte Risikobeurteilung und technische Unterlagen, die im Falle einer Marktüberwachung vorgelegt werden können. Wer diese Dokumentation nicht führt, riskiert bei einer Kontrolle Bußgelder und im schlimmsten Fall einen Verkaufsstopp, selbst wenn das Produkt physisch sicher wäre.

So läuft eine EN-71-Prüfung ab: Prozess für Shopify-Händler mit China-Import

Für Händler, die Spielzeug aus China importieren, folgt der Prüfprozess in der Praxis meist diesem Ablauf:

  1. Anwendbare Teile bestimmen. Anhand der Produktkategorie und Altersgruppe legt das Prüflabor fest, welche EN-71-Teile relevant sind (siehe Tabelle oben).
  2. Prototyp-Test vor Serienproduktion. Ein Testmuster wird bereits vor der Massenproduktion geprüft, um teure Nacharbeiten an einer bereits produzierten Charge zu vermeiden.
  3. Chargen-Test nach Produktion. Zusätzlich zum Prototyp-Test wird üblicherweise eine Stichprobe aus der tatsächlich produzierten Charge geprüft, da sich Materialqualität zwischen Prototyp und Serienfertigung unterscheiden kann.
  4. Prüfbericht anfordern und prüfen. Der Prüfbericht muss die konkret geprüften EN-71-Teile, das Produkt eindeutig benennen und von einem akkreditierten Labor stammen.
  5. Akkreditierung des Labors verifizieren. Ein chinesisches Prüflabor muss für die jeweilige EN-71-Prüfung nach ISO 17025 akkreditiert sein. Berichte nach der chinesischen Norm GB 6675 sind kein Ersatz für eine EN-71-Prüfung, auch wenn die Anforderungen ähnlich wirken.

Welche Norm-Ausgabe aktuell gilt, lässt sich direkt im offiziellen Normenkatalog des Deutschen Instituts für Normung nachschlagen, was gerade bei chinesischen Zulieferern hilft, veraltete Prüfberichte zu erkennen.

DIN-Normenkatalog mit Suchergebnissen zu DIN EN 71

Die Kosten für eine EN-71-Prüfung hängen stark von der Anzahl der zu prüfenden Teile und der Materialkomplexität des Produkts ab. Als grobe Orientierung bewegen sich einfache Prüfungen einzelner Teile (etwa nur EN 71-3 für ein Produkt aus einem Material) im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich pro Teil, während umfassende Prüfungen mehrerer Teile an komplexen, mehrkomponentigen Produkten deutlich darüber liegen können. Verbindliche Preise nennt ausschließlich das jeweilige Prüflabor anhand der konkreten Produktspezifikation.

EN-71-Prüfbericht: Gültigkeit, Grenzen und der Mythos vom “EN-71-Zertifikat”

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Vorstellung, es gebe ein offizielles “EN-71-Zertifikat”, das ein Produkt oder gar einen ganzen Hersteller pauschal als konform auszeichnet. Das ist nicht korrekt. Es existiert kein solches offizielles Zertifikat. Was tatsächlich existiert, sind Prüfberichte akkreditierter Labore, die sich immer auf ein konkretes Produkt mit einer bestimmten Materialspezifikation beziehen.

Das hat zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Ein Prüfbericht für ein Produkt lässt sich nicht automatisch auf ein anderes, auch nur leicht abweichendes Produkt übertragen. Schon eine andere Farbe, ein anderer Lieferant für eine Komponente oder eine geänderte Materialzusammensetzung kann einen neuen Test erforderlich machen. Zweitens: Ein Prüfbericht zertifiziert nicht die Fabrik oder die Marke als Ganzes, sondern ausschließlich das geprüfte Produkt. Die Aussage “unser Lieferant ist EN-71-zertifiziert” ist deshalb ohne Bezug auf ein konkretes Produkt wenig aussagekräftig.

EN 71 und die neue Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509: Was sich ändert

Die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG wird durch die Verordnung (EU) 2025/2509 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. November 2025 abgelöst. Die neue Spielzeugverordnung ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft, wobei einzelne Kapitel bereits ab diesem Datum ausnahmsweise gelten. Die vollständige Anwendung beginnt erst am 1. August 2030. Bis zu diesem Stichtag dürfen Spielzeuge weiterhin nach den Übergangsregeln in Verkehr gebracht werden, wenn sie der bisherigen Richtlinie 2009/48/EG entsprechen.

Eine der wichtigsten inhaltlichen Änderungen betrifft den Nachweis der Konformität: Die bisherige EU-Konformitätserklärung wird durch den Digitalen Produktpass ersetzt, den Hersteller künftig über einen Datenträger wie einen QR-Code bereitstellen müssen, bevor ein Produkt in Verkehr gebracht wird. Der Digitale Produktpass muss unter anderem eine eindeutige Produktkennung, die Angaben zum Wirtschaftsakteur und die CE-Kennzeichnung enthalten und ist zehn Jahre lang aufzubewahren.

Für EN 71 selbst bedeutet der Übergang voraussichtlich keinen Bruch: Die Normenreihe soll auch unter der neuen Spielzeugverordnung als harmonisierte Norm mit Konformitätsvermutung fortbestehen, was sich auch daran zeigt, dass CEN bereits im Februar 2026 aktualisierte EN71-Normteile im Hinblick auf die neue Rechtslage veröffentlicht hat. Eine offizielle, abschließende Bestätigung dieser Fortführung für jeden einzelnen Normteil steht zum Zeitpunkt dieses Artikels noch aus; Händler sollten die Übergangsphase bis 2030 dennoch schon jetzt als Vorbereitungszeit nutzen und nicht erst kurz vor Fristablauf reagieren.

Häufige Fragen zu EN 71

Muss ich als Kleinhändler selbst testen lassen?

Ja, wenn Sie Spielzeug unter eigener Marke verkaufen oder importieren, liegt die Testpflicht bei Ihnen, unabhängig von der Größe Ihres Unternehmens. Es gibt keine Bagatellgrenze für kleine Händler.

Reicht ein Prüfbericht meines chinesischen Lieferanten?

Nur wenn das Labor für die jeweilige EN-71-Prüfung nach ISO 17025 akkreditiert ist und der Bericht sich exakt auf Ihr Produkt in der tatsächlich gelieferten Spezifikation bezieht. Ein allgemeiner Bericht ohne Produktbezug oder von einem nicht akkreditierten Labor genügt nicht.

Wie lange dauert eine EN-71-Prüfung?

Je nach Anzahl der geprüften Teile und Laborauslastung dauert eine EN-71-Prüfung üblicherweise zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen. Für die Produktionsplanung empfiehlt es sich, den Prototyp-Test frühzeitig anzustoßen, damit ausreichend Zeit für Nacharbeiten bleibt, falls das Muster nicht besteht.

Was kostet eine EN-71-Prüfung ungefähr?

Die Kosten hängen von der Anzahl der geprüften Teile und der Materialkomplexität ab. Verbindliche Preise nennt nur das jeweilige Prüflabor anhand Ihrer konkreten Produktspezifikation; pauschale Preisangaben ohne Produktbezug sind unzuverlässig.

Ist ein DIN-EN-71-Zertifikat dasselbe wie ein EN-71-Prüfbericht?

Ein offizielles Zertifikat mit diesem Namen existiert nicht. Gemeint ist in der Praxis fast immer ein Prüfbericht eines akkreditierten Labors, der sich auf DIN EN 71 beziehungsweise die inhaltsgleiche europäische EN 71 stützt.

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Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

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