Die RoHS-Richtlinie (2011/65/EU) beschränkt zehn gefährliche Stoffe wie Blei, Quecksilber und Cadmium in Elektro- und Elektronikgeräten und ist seit dem 21. Juli 2011 in Kraft. Wer Elektronik in der EU herstellt, importiert oder verkauft, muss die Grenzwerte einhalten, eine Konformitätserklärung führen und das CE-Kennzeichen anbringen, bevor das Produkt in Verkehr gebracht wird. Für Shopify-Händler, die Elektronik selbst herstellen, aus China importieren oder unter eigener Marke vertreiben, gelten diese Pflichten zusätzlich zu den Anforderungen der neuen GPSR, nicht anstelle davon. Dieser Beitrag erklärt, was rohs konform in der Praxis bedeutet, was RoHS 3 geändert hat und was in eine RoHS-Konformitätserklärung gehört.
Was ist die RoHS-Richtlinie?
Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU (RoHS 2) beschränkt die Verwendung von zehn gefährlichen Stoffen in Elektro- und Elektronikgeräten und ersetzte am 3. Januar 2013 die erste RoHS-Fassung aus dem Jahr 2003. RoHS steht für “Restriction of Hazardous Substances”, auf Deutsch etwa Beschränkung gefährlicher Stoffe. Ziel der Richtlinie ist der Schutz von Gesundheit und Umwelt, weil Blei, Quecksilber, Cadmium und andere Schadstoffe beim Recycling oder bei der Entsorgung von Elektroschrott freigesetzt werden können.
Die aktuelle Fassung ist seit dem 21. Juli 2011 in Kraft und wurde in Deutschland durch die Elektro- und Elektronikgeräte-Stoff-Verordnung (ElektroStoffV) in nationales Recht umgesetzt. Ohne RoHS-Konformität darf ein betroffenes Produkt in der EU weder verkauft noch mit dem CE-Kennzeichen versehen werden, denn die Einhaltung der Stoffbeschränkungen ist eine der Grundanforderungen, die das CE-Zeichen überhaupt erst erlaubt.
Welche zehn Stoffe beschränkt die RoHS-Richtlinie?
RoHS begrenzt zehn Stoffe auf einen Höchstwert von 0,1 Gewichtsprozent je homogenem Werkstoff, mit einer Ausnahme: Cadmium darf nur bis 0,01 Gewichtsprozent enthalten sein, also nur ein Zehntel des sonst üblichen Grenzwerts, weil der Stoff schon in sehr geringen Mengen als besonders gesundheits- und umweltschädlich gilt. Die folgende Übersicht zeigt alle zehn Stoffe mit ihren Grenzwerten auf einen Blick:

Homogener Werkstoff bedeutet, dass der Grenzwert nicht für das gesamte Produkt im Durchschnitt gilt, sondern für jedes einzelne, mechanisch nicht weiter trennbare Material, etwa eine Kunststoffummantelung oder eine Lötstelle für sich genommen. Ein Produkt kann also schon dann nicht rohs konform sein, wenn nur ein einziges Bauteil den Grenzwert überschreitet, selbst wenn der Rest des Geräts sauber ist.
| Stoff | Grenzwert | Kategorie |
|---|---|---|
| Blei (Pb) | 0,1 % | Schwermetall |
| Quecksilber (Hg) | 0,1 % | Schwermetall |
| Cadmium (Cd) | 0,01 % | Schwermetall |
| Sechswertiges Chrom (Cr VI) | 0,1 % | Schwermetall |
| Polybromierte Biphenyle (PBB) | 0,1 % | Flammschutzmittel |
| Polybromierte Diphenylether (PBDE) | 0,1 % | Flammschutzmittel |
| DEHP | 0,1 % | Weichmacher (seit RoHS 3) |
| BBP | 0,1 % | Weichmacher (seit RoHS 3) |
| DBP | 0,1 % | Weichmacher (seit RoHS 3) |
| DIBP | 0,1 % | Weichmacher (seit RoHS 3) |
Die ersten sechs Stoffe gehören zur ursprünglichen RoHS-Fassung, die vier Weichmacher (Phthalate) kamen erst mit RoHS 3 hinzu. Wer als Händler von einem Lieferanten nur eine pauschale Aussage wie “RoHS compliant” ohne Produktbezug erhält, sollte nachfragen: Ohne Stücklistenbezug, Materialdaten oder Testberichte ist eine solche Erklärung als Nachweis meist nicht ausreichend.
Die Praxisfolge der homogenen Betrachtung lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen: Ein Ladekabel besteht aus mehreren homogenen Werkstoffen, etwa der Kunststoffummantelung, dem Kupferleiter, der Isolierschicht und der Lötstelle am Stecker. Jeder dieser Werkstoffe muss für sich den Grenzwert einhalten. Überschreitet nur die Lötstelle den Cadmium-Grenzwert von 0,01 Prozent, ist das gesamte Kabel nicht rohs konform, selbst wenn Kunststoff und Kupferleiter unauffällig sind.
Für welche Produkte gilt die RoHS-Richtlinie?
Die RoHS-Richtlinie gilt für alle Produkte mit einer elektrischen oder elektronischen Komponente, sofern sie nicht ausdrücklich ausgenommen sind. Das betrifft nicht nur klassische Unterhaltungselektronik, sondern jedes Gerät, das für seinen Betrieb elektrischen Strom oder elektromagnetische Felder benötigt.
Für Shopify-Händler ist der Anwendungsbereich in der Praxis breiter, als viele erwarten. Typische Produktkategorien, die unter RoHS fallen, sind:
- Kabel, Netzteile und Ladegeräte
- LED-Leuchtmittel und Lampen mit elektronischem Vorschaltgerät
- Kleinelektronik wie Kopfhörer, Lautsprecher und Powerbanks
- Haushaltsgeräte mit elektronischer Steuerung
- Spielzeug mit elektronischer Komponente, etwa ferngesteuerte Modelle oder Geräte mit eingebauter Beleuchtung
Wichtig für die Abgrenzung: Ein rein mechanisches Produkt ohne jede elektrische oder elektronische Komponente fällt nicht unter RoHS. Sobald aber eine Platine, ein Akku, eine Elektronik-Steuerung oder ein Netzteil Teil des Produkts ist, muss die RoHS-Konformität geprüft werden, unabhängig davon, ob das Hauptprodukt selbst “elektronisch” wirkt.
Die früher elf Anhangskategorien der ersten RoHS-Fassung, etwa “Haushaltsgroßgeräte” oder “IT- und Telekommunikationsgeräte”, wurden mit RoHS 2 durch einen offenen Anwendungsbereich ersetzt. Das bedeutet für RoHS-Elektronik im Onlinehandel: Eine Kategorisierung wie “ist das ein Haushaltsgerät oder Spielzeug” entscheidet nicht mehr darüber, ob RoHS gilt, sondern allein die Tatsache, dass eine elektrische oder elektronische Funktion vorhanden ist. Die alten Kategorien sind heute nur noch für die Zuordnung bestimmter Ausnahmen relevant.
Was ist RoHS 3 und was hat sich mit der Änderungsrichtlinie 2015/863 geändert?
RoHS 3 bezeichnet die Änderungsrichtlinie 2015/863, die am 31. März 2015 erlassen wurde und die ursprüngliche RoHS-Stoffliste um vier Phthalat-Weichmacher erweitert: DEHP, BBP, DBP und DIBP. Für diese vier Stoffe galt eine Umsetzungsfrist bis zum 22. Juli 2019, seither müssen auch sie den Grenzwert von 0,1 Gewichtsprozent je homogenem Werkstoff einhalten.
Die Entwicklung der Richtlinie verlief in drei Stufen: RoHS 1 (2002/95/EG) wurde am 27. Januar 2003 erlassen und war ab dem 13. August 2004 anzuwenden. RoHS 2 (2011/65/EU) löste RoHS 1 am 3. Januar 2013 ab und brachte unter anderem das CE-Kennzeichnungserfordernis und ein offeneres Anwendungsgebiet mit sich. RoHS 3 (2015/863) ergänzte anschließend die vier Phthalate, ohne die Grundstruktur der Richtlinie zu verändern.
Die Richtlinie bleibt in Bewegung: Die EU-Kommission legte am 7. Dezember 2023 einen Vorschlag für eine gezielte Überarbeitung vor (COM(2023) 781 final), während eine umfassendere Generalüberholung vorerst zurückgestellt wurde. Am 26. November 2025 trat zudem die Richtlinie (EU) 2025/2456 in Kraft, die wissenschaftliche und technische Aufgaben zur Bewertung von Stoffbeschränkungen und Ausnahmen an die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) überträgt und die Verfahren stärker an die REACH-Methodik angleicht. Wer Elektronik dauerhaft verkauft, sollte den Ausnahmenkatalog deshalb nicht als statisch behandeln, sondern regelmäßig auf neue delegierte Richtlinien prüfen. Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Etappen von RoHS 1 bis zur jüngsten Änderung:

Welche Ausnahmen gibt es von der RoHS-Richtlinie?
Ausnahmen von der RoHS-Richtlinie sind zeitlich befristet, an einen konkreten Verwendungszweck gebunden und in den Anhängen III und IV der Richtlinie gelistet. Eine Ausnahme gilt also nie pauschal für einen ganzen Produkttyp, sondern nur für die genau beschriebene technische Anwendung, für die sie beantragt und genehmigt wurde.
Ein bekanntes Beispiel ist Blei in Lötzinn mit hohem Schmelzpunkt, das in bestimmten industriellen Anwendungen weiterhin zulässig ist, weil bislang keine gleichwertige bleifreie Alternative verfügbar war. Solche Ausnahmen werden regelmäßig überprüft und laufen entweder aus oder werden verlängert. Aktuell prüft die EU-Kommission im Rahmen einer öffentlichen Konsultation (8. Juli bis 5. August 2026) mehrere Blei- und Cadmium-Ausnahmen auf eine mögliche Verkürzung oder Anpassung.
Für Händler ist entscheidend: Ein laufender Antrag auf Verlängerung einer Ausnahme erlaubt keine automatische Weiterverwendung. Läuft eine Ausnahme aus, bevor eine Verlängerung veröffentlicht ist, gilt der Grenzwert ab diesem Zeitpunkt ohne Übergangsfrist, was sich auf Materialfreigaben, Zeichnungen und bestehende Lieferantenbeziehungen auswirken kann.
Ausnahmeanträge werden von Wirtschaftsakteuren bei der EU-Kommission gestellt und seit der Richtlinie (EU) 2025/2456 zunehmend wissenschaftlich und technisch von der ECHA vorbereitet, die dabei ähnliche Bewertungsmethoden wie unter der REACH-Verordnung anwendet. Für Händler bedeutet das in der Praxis vor allem eines: Der Ausnahmenkatalog ist kein einmal geprüftes, festes Dokument, sondern ein sich änderndes Regelwerk, das eine regelmäßige Kontrolle verdient, besonders bei Produkten mit Lötzinn, Glas- oder Keramikbauteilen mit Bleianteil.
Welche Pflichten haben Hersteller, Importeure und Händler nach der RoHS-Richtlinie?
Die RoHS-Richtlinie verteilt die Verantwortung nicht gleichmäßig, sondern weist Herstellern, Importeuren und Händlern jeweils eigene, unterschiedlich weitreichende Pflichten zu.
Pflichten der Hersteller
Hersteller tragen die umfassendste Verantwortung. Sie müssen ihre Produkte rohs konform konstruieren und fertigen, ein Konformitätsbewertungsverfahren durchführen, die technische Dokumentation erstellen, eine EU-Konformitätserklärung ausstellen und das CE-Kennzeichen anbringen. Ändern sich Materialien, Lieferanten oder Fertigungsprozesse, muss die Konformitätsbewertung entsprechend aktualisiert werden, eine einmalige Prüfung reicht nicht aus.
Pflichten der Importeure
Importeure dürfen ein Produkt nur in Verkehr bringen, wenn der Hersteller das vorgeschriebene Konformitätsbewertungsverfahren tatsächlich durchgeführt hat. Sie müssen prüfen, ob technische Dokumentation, Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung vorhanden sind, und dürfen sich nicht allein auf die Zusicherung des Herstellers verlassen. Bestehen Zweifel an der Konformität, darf das Produkt erst nach Klärung in den europäischen Markt gebracht werden.
Pflichten der Händler
Händler tragen eine Sorgfaltspflicht: Sie müssen mit angemessener Sorgfalt prüfen, ob CE-Kennzeichnung und die erforderlichen Begleitdokumente vorhanden sind, und dürfen erkennbare Verstöße nicht ignorieren. Anders als Hersteller oder Importeure müssen Händler in der Regel keine eigene technische Dokumentation erstellen, sind aber verpflichtet, bei begründetem Verdacht auf Nichtkonformität aktiv zu werden und gegebenenfalls die Marktüberwachungsbehörde zu informieren.
Sonderfall: Shopify-Verkäufer mit Import aus China
Wer als Shopify-Händler Elektronik direkt bei einem chinesischen Hersteller einkauft und unter eigener Marke oder ohne EU-ansässigen Hersteller verkauft, übernimmt rechtlich die Rolle des Importeurs, unabhängig von der Größe des Unternehmens. Das bedeutet konkret:
- Es muss geprüft und dokumentiert werden, dass der chinesische Hersteller ein RoHS-Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt hat
- Name und Kontaktanschrift des Importeurs müssen auf dem Produkt, der Verpackung oder den Begleitunterlagen angegeben sein
- Die technische Dokumentation und die Konformitätserklärung müssen zehn Jahre lang bereitgehalten und auf Anfrage der Marktüberwachungsbehörde vorgelegt werden können
- Fehlt ein EU-Bevollmächtigter beim Hersteller, sollte der Importeur klären, wer im Streitfall als Ansprechpartner für die Behörden auftritt
Diese Importeurspflichten bestehen zusätzlich zu den Pflichten aus der GPSR, die seit Dezember 2024 für nahezu alle Verbraucherprodukte gilt. RoHS und GPSR schließen sich nicht gegenseitig aus oder ersetzen sich, sie greifen parallel für dasselbe Elektronikprodukt.
Was muss eine RoHS-Konformitätserklärung enthalten?
Eine RoHS-Konformitätserklärung muss den vollständigen Namen und die Anschrift des Herstellers, eine eindeutige Produktidentifikation mit Typ-, Chargen- oder Seriennummer, einen ausdrücklichen Verweis auf die Richtlinie 2011/65/EU sowie Ort, Datum und eine rechtsverbindliche Unterschrift enthalten.
Eine vollständige rohs konformitätserklärung sollte typischerweise folgende Angaben enthalten:
- Name und vollständige Anschrift des Herstellers oder gegebenenfalls des EU-Bevollmächtigten
- Eindeutige Bezeichnung des Produkts, einschließlich Modell-, Typ- oder Seriennummer
- Ausdrückliche Erklärung, dass das Produkt der Richtlinie 2011/65/EU entspricht
- Verweis auf angewandte harmonisierte Normen, häufig DIN EN IEC 63000 als Nachweisnorm für die technische Dokumentation
- Ort, Datum und Unterschrift einer bevollmächtigten Person
Sowohl die technische Dokumentation als auch die Konformitätserklärung müssen mindestens zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen des letzten Produkts der jeweiligen Serie aufbewahrt werden. Diese Frist gilt unabhängig davon, ob das Produkt zwischenzeitlich vom Markt genommen wurde, und Marktüberwachungsbehörden können die Unterlagen jederzeit innerhalb dieser Frist anfordern.
In der Praxis stellen viele Hersteller keine isolierte RoHS-Konformitätserklärung aus, sondern eine kombinierte EU-Konformitätserklärung, die zugleich die Niederspannungsrichtlinie, die EMV-Richtlinie und gegebenenfalls weitere anwendbare Richtlinien abdeckt. Für Elektronik mit mehreren betroffenen Richtlinien ist das der Regelfall und kein Mangel, solange jede Richtlinie einzeln und namentlich mit der jeweiligen Nummer aufgeführt wird.
Wie hängen RoHS, CE-Kennzeichnung und die GPSR zusammen?
RoHS und die GPSR sind zwei getrennte, sich ergänzende Pflichtenkreise, die für dasselbe Elektronikprodukt gleichzeitig gelten. RoHS regelt ausschließlich die stoffliche Zusammensetzung des Produkts, während die GPSR die allgemeine Produktsicherheit, die Risikobewertung und die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette abdeckt.
Die CE-Kennzeichnung ist der sichtbare Beleg dafür, dass ein Produkt alle einschlägigen EU-Richtlinien erfüllt, zu denen RoHS gehört, sofern das Produkt in den Anwendungsbereich fällt. Eine Konformitätserklärung für RoHS ersetzt keine allgemeine Produktsicherheitsdokumentation nach GPSR, und umgekehrt deckt eine GPSR-konforme Risikobewertung keine RoHS-Stoffprüfung ab. Wer bereits eine technische Dokumentation für die GPSR aufbaut, sollte den RoHS-Nachweis als eigenen, zusätzlichen Baustein einplanen und nicht stillschweigend voraussetzen, dass er automatisch mit abgedeckt ist. Für Elektronikhändler, die zusätzlich mit beschichteten Materialien oder Chemikalien arbeiten, kann außerdem die REACH-Verordnung parallel relevant werden, da sie andere Stoffe und andere Meldepflichten als RoHS abdeckt.
Was passiert bei Verstößen gegen die RoHS-Richtlinie?
Ein Verstoß gegen die Stoffbeschränkungen der RoHS-Richtlinie kann in Deutschland nach der ElektroStoffV mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro pro Verstoß geahndet werden. Zusätzlich zum Bußgeld drohen weitere Konsequenzen:
- Ein vollständiges Vertriebsverbot für das betroffene Produkt auf allen Handelsstufen, einschließlich bereits ausgelieferter Ware
- Die Pflicht zu Korrekturmaßnahmen, wenn ein Verdacht auf Nichtkonformität besteht oder bestätigt wird
- Ein Rückruf bereits verkaufter Geräte, wenn von ihnen ein Risiko ausgeht
- Der Verlust von Vertriebspartnerschaften oder Marktplatz-Zulassungen, wenn ein Verstoß öffentlich bekannt wird
Marktüberwachungsbehörden der Bundesländer können Stichproben durchführen und Nachweise auch rückwirkend innerhalb der zehnjährigen Aufbewahrungsfrist anfordern. Eine nachträglich nachgewiesene Konformität schützt nicht vor Sanktionen, wenn die Dokumentation zum Zeitpunkt der Prüfung unvollständig oder nicht auffindbar war.
Häufige Fragen zur RoHS-Richtlinie
Ist RoHS-Konformität Pflicht, auch wenn ich nur wenige Elektronikprodukte verkaufe?
Ja. Die RoHS-Richtlinie unterscheidet nicht nach Verkaufsvolumen. Auch ein einzelnes importiertes oder unter eigener Marke verkauftes Produkt mit elektrischer oder elektronischer Komponente muss die Stoffbeschränkungen einhalten, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Reicht ein RoHS-Testbericht des Herstellers als Nachweis?
Ein Testbericht ist ein guter Baustein, ersetzt aber weder die vollständige technische Dokumentation noch die Konformitätserklärung. Der Bericht sollte sich eindeutig auf das konkrete Produkt, die verwendeten Materialien und die geprüften Stoffe beziehen, sonst ist er als alleiniger Nachweis nicht ausreichend.
Muss ich als Shopify-Händler eine eigene RoHS-Konformitätserklärung erstellen?
Das hängt von der Rolle ab. Verkaufen Sie Produkte eines EU-Herstellers unverändert weiter, tragen Sie in der Regel nur eine Sorgfaltspflicht als Händler. Importieren Sie das Produkt selbst aus einem Nicht-EU-Land oder verkaufen es unter eigener Marke, übernehmen Sie die Importeurs- oder sogar die Herstellerpflichten und müssen die entsprechende Dokumentation vorhalten können.
Gilt RoHS auch für Ersatzteile und Zubehör?
Ja, sofern das Ersatzteil oder Zubehörteil selbst über eine elektrische oder elektronische Funktion verfügt oder fest mit einem entsprechenden Gerät verbunden verkauft wird. Rein mechanische Ersatzteile ohne elektronische Komponente fallen nicht unter RoHS. Für die Reparatur von Altgeräten, die bereits vor dem Anwendungsbeginn der jeweiligen Stoffbeschränkung rechtmäßig verkauft wurden, gilt in der Praxis ein Bestandsschutz: Ein Ersatzteil gilt hier nicht als eigenständiges neues Elektro- oder Elektronikgerät, sodass eine Reparatur mit funktional identischen, aber nicht zwingend RoHS-3-konformen Teilen möglich bleibt. Bei neu in Verkehr gebrachten Geräten und deren Zubehör gilt dagegen keine Ausnahme.
Ist RoHS dasselbe wie REACH?
Nein. RoHS beschränkt zehn namentlich benannte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten auf feste Grenzwerte, während die REACH-Verordnung deutlich mehr Stoffe abdeckt, für praktisch alle Produktarten gilt und eigene Melde- und Registrierungspflichten für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) vorsieht. Ein Elektronikprodukt kann rohs konform sein und trotzdem zusätzliche REACH-Meldepflichten auslösen, etwa wenn ein SVHC-Stoff enthalten ist, der nicht auf der RoHS-Liste steht.