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GPSR-Roadmap 2026/2027: Kommende Änderungen & Fristen

GPSR-Roadmap 2026/2027: Welche EU-Fristen zu Produkthaftung, Maschinen- und Batterieverordnung jetzt kommen und was Shopify-Händler vorbereiten sollten.

GP GPSR Pro Redaktion
23. August 2026 9 Min
Inhalt dieses Artikels

Wer als Shopify-Händler heute GPSR-konform ist, hat nur die erste Etappe geschafft. Zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 laufen gleich mehrere EU-Fristen zusammen, die GPSR selbst, die neue Produkthaftungsrichtlinie, die Maschinenverordnung und die Batterieverordnung. Wer aus Drittländern wie China importiert, ist von mehreren dieser Regelwerke gleichzeitig betroffen. Dieser Artikel ordnet die GPSR-Roadmap 2026/2027 ein: welche Fristen wirklich kommen, was sich inhaltlich ändert und was du als Händler jetzt vorbereiten solltest.

GPSR-Roadmap 2026/2027 im Überblick: Die wichtigsten Fristen auf einen Blick

Fünf EU-Regelwerke mit direkter Relevanz für Onlinehändler laufen zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 auf konkrete Stichtage zu. Die folgende Tabelle fasst zusammen, welches Regelwerk was regelt und ab wann Händler tatsächlich handeln müssen.

RegelwerkStichtagWas ändert sich
GPSR (Verordnung (EU) 2023/988)13.12.2026Kommissionsbericht zur Verknüpfung von Marktüberwachungssystemen und Safety-Gate-Portal (Art. 47)
Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/285309.12.2026Umsetzungsfrist der Mitgliedstaaten läuft ab, neue Regeln gelten für ab diesem Datum in Verkehr gebrachte Produkte
Maschinenverordnung (EU) 2023/123020.01.2027Verbindliche Anwendung, löst die alte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG endgültig ab
Batterieverordnung (EU) 2023/154218.02.2027Digitaler Batteriepass und Austauschbarkeitspflicht für bestimmte Batterietypen
GPSR (Verordnung (EU) 2023/988)13.12.2027Kommissionsbewertung zum Marktplatz-Meldesystem für rechtswidrige Inhalte (Art. 22)
GPSR harmonisierte Normen27.10.2027Übergangsfrist für alte Normfassungen endet

Wichtig für die Einordnung: Nicht jede Frist betrifft jeden Händler gleich stark. Relevanz hängt vom Sortiment ab. Die folgenden Abschnitte ordnen zu, welches Regelwerk für wen greift und was konkret zu tun ist.

Zeitleiste der GPSR-Roadmap 2026/2027 mit fünf Fristen von Batterie-Label bis Normen-Übergang

GPSR selbst: Was sich bis 2027 ändert

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die GPSR unmittelbar für jeden Online-Shop, der Verbraucherprodukte in der EU verkauft. Produktkennzeichnung, Rückverfolgbarkeit, Sicherheitsinformationen: Diese Grundpflichten ändern sich zwischen 2026 und 2027 nicht mehr grundlegend. Neu sind zwei nachgelagerte Prüf- und Ausbaupunkte, die die EU-Kommission in der Verordnung selbst festgeschrieben hat.

Erstens: Bis zum 13. Dezember 2026 muss die Kommission einen Bericht darüber vorlegen, wie gut das Informationssystem der Marktüberwachungsbehörden mit dem Safety-Gate-Portal verknüpft ist. Für Händler bedeutet das in der Praxis vor allem eines: Rückrufe und Sicherheitswarnungen werden voraussichtlich schneller und einheitlicher über die EU-Mitgliedstaaten hinweg sichtbar, was die Erwartungshaltung an schnelle Reaktionszeiten bei eigenen Rückrufen erhöht.

Safety Gate Portal der EU-Kommission mit aktuellen Produktsicherheits-Alerts

Zweitens: Bis zum 13. Dezember 2027 bewertet die Kommission, wie ein EU-weites Meldesystem für rechtswidrige Inhalte auf Online-Marktplätzen technisch umgesetzt werden kann (Artikel 22 GPSR). Das betrifft in erster Linie Marktplatz-Betreiber, aber mittelbar auch Händler, die auf mehreren Plattformen verkaufen, da einheitlichere Meldewege tendenziell zu konsequenterer Durchsetzung führen.

Zusätzlich läuft am 27. Oktober 2027 die Übergangsfrist für alte Fassungen harmonisierter Normen aus. Bis dahin gilt für Produkte, die nach den bisherigen Normen gefertigt wurden, noch eine Konformitätsvermutung. Wer seine technische Dokumentation ohnehin turnusmäßig aktualisiert, sollte die neuen Normfassungen bis zu diesem Datum eingearbeitet haben.

Neue EU-Produkthaftungsrichtlinie: Ab Dezember 2026 gelten schärfere Regeln

Drei Icons zu den Änderungen der EU-Produkthaftungsrichtlinie 2026: Produktbegriff, Beweislastumkehr, Schadensersatz

Die überarbeitete Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853 ist für Shopify-Händler die am stärksten unterschätzte Änderung in der gesamten Roadmap, weil sie in kaum einer GPSR-fokussierten Übersicht auftaucht, obwohl sie parallel läuft. Die Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie bis zum 9. Dezember 2026 in nationales Recht umsetzen. Ab diesem Stichtag gelten die neuen Regeln für alle Produkte, die ab diesem Datum in der EU in Verkehr gebracht werden, für zuvor in Verkehr gebrachte Produkte bleibt das alte Haftungsregime maßgeblich.

Drei Änderungen sind für Onlinehändler mit Drittland-Sourcing besonders relevant:

  • Erweiterter Produktbegriff: Erstmals fallen auch eigenständige Software, digitale Fertigungsdateien (etwa 3D-Druck-Baupläne) und digitale Dienste, die für die Produktfunktion wesentlich sind, unter den Produktbegriff.
  • Beweislastumkehr: Bei bestimmten Fallkonstellationen wird künftig ein Produktfehler vermutet, wenn der Hersteller oder Importeur die notwendigen technischen Nachweise nicht offenlegen kann. Das erhöht den praktischen Druck, technische Dokumentation und Konformitätsnachweise lückenlos vorzuhalten, dieselben Unterlagen, die die GPSR ohnehin schon verlangt.
  • Erweiterter Schadensersatz: Der Schadensbegriff wird ausgeweitet, unter anderem auf Datenverlust und medizinisch anerkannte psychische Schäden.

Für Händler, die Produkte aus China oder anderen Drittländern importieren, verstärkt die neue Richtlinie einen bereits bestehenden GPSR-Grundsatz: Wer als EU-Importeur oder Verantwortliche Person auftritt, haftet gegenüber Endkunden direkt, unabhängig davon, ob der eigentliche Hersteller in der EU greifbar ist. Lückenlose Lieferantendokumentation ist damit nicht nur eine GPSR-Pflicht, sondern jetzt auch ein direkter Haftungsschutz.

Maschinenverordnung 2027: Relevanz für Shopify-Händler mit technischen Produkten

Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 löst zum 20. Januar 2027 endgültig die alte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ab. Die 42-monatige Übergangsfrist endet am 19. Januar 2027, danach gibt es keine Kulanzfrist mehr: Maschinen, die ab dem 20. Januar 2027 in der EU in Verkehr gebracht werden, müssen nach der neuen Verordnung CE-gekennzeichnet sein.

Wen betrifft das?

Relevant wird das für Shopify-Shops, die Produkte mit beweglichen, angetriebenen Teilen verkaufen, etwa Elektrowerkzeuge, Gartengeräte, kleine Werkstattmaschinen oder bestimmte Haushaltsgeräte mit Antrieb. Die Verordnung verschärft unter anderem die Anforderungen an digitale Dokumentation, führt neue Vorgaben für Cybersicherheit bei vernetzten Maschinen ein und erweitert den Anwendungsbereich explizit auf KI-gesteuerte und autonome Systeme. Für Händler, die entsprechende Produkte aus China importieren, bedeutet das: Konformitätsunterlagen und CE-Kennzeichnung der Lieferanten sollten bereits jetzt auf die neue Verordnung ausgerichtet sein, nicht erst kurz vor dem Stichtag, da Lieferanten in Drittländern oft eine längere Vorlaufzeit für aktualisierte Prüfnachweise benötigen.

Batterieverordnung: Kennzeichnung ab 2026, digitaler Batteriepass ab 2027

Die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 läuft in mehreren Stufen an und betrifft alle Shopify-Händler, die batteriebetriebene Produkte verkaufen, von Elektronikzubehör über E-Bike-Komponenten bis zu Powerbanks, häufig Produkte mit hohem Anteil an China-Sourcing.

Wen betrifft das?

Seit August 2026 müssen Batterien mit Angaben zu Hersteller, Chemie, Gewicht, Kapazität und Herstellungsdatum gekennzeichnet sein, tragbare Batterien zusätzlich mit Angaben zur Lebensdauer. Der nächste große Stichtag folgt am 18. Februar 2027: Ab diesem Datum müssen Industriebatterien, Batterien für Leichtverkehrsmittel und Elektrofahrzeuge mit einer Kapazität über 2 kWh elektronisch über einen digitalen Batteriepass mit QR-Code registriert sein. Zum selben Datum greift außerdem eine Austauschbarkeitspflicht: Tragbare Batterien müssen für Endnutzer leicht selbst entnehmbar und austauschbar sein, Batterien für Leichtverkehrsmittel, Elektrofahrzeuge und Industrieanwendungen müssen zumindest durch Fachpersonal während der gesamten Produktlebensdauer austauschbar bleiben. Für Händler mit batteriebetriebenen Importprodukten heißt das konkret: Lieferanten jetzt nach aktualisierten Kennzeichnungsdaten und, bei größeren Batterien, nach den Voraussetzungen für den digitalen Batteriepass fragen.

Digitaler Produktpass und weitere Regelwerke im Kurzüberblick

Der Digitale Produktpass (DPP) aus der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) startet ab 2027 gestaffelt für erste Produktgruppen wie Batterien, Textilien und Elektrogeräte, mit vollständigem Rollout über weitere Kategorien bis etwa 2030. Da DPP, Green Claims und die parallel laufende EmpCo-Richtlinie für Nachhaltigkeitsaussagen ein eigenes, umfangreiches Themenfeld sind, das eng mit GPSR-Datenpflege zusammenhängt, aber eigene Fristen und Pflichten hat, findest du die vollständige Einordnung in unserem separaten Leitfaden zu GPSR, DPP und Green Claims.

Am Rande relevant, aber nur für eine kleinere Zielgruppe: Bei chemischen Produkten oder Produkten mit chemischen Bestandteilen greifen ab 1. Januar 2027 neue Kennzeichnungsdesign-Vorgaben aus der CLP-Verordnung, vorausgehend gelten bereits ab 1. Juli 2026 neue Einstufungsregeln für komplexe Stoffe. Für die meisten Shopify-Standardsortimente ohne Chemikalienbezug ist das nicht relevant, für Händler von Reinigungsmitteln, Klebstoffen oder ähnlichen Produkten aber ein eigener Prüfpunkt.

Was Shopify-Händler mit China-Sourcing jetzt konkret tun sollten

Die Durchsetzung zieht bereits spürbar an, nicht erst 2027. Im Juni 2026 haben deutsche und französische Marktüberwachungsbehörden gemeinsam über 2.000 Angebote wegen fehlender Angaben zur Verantwortlichen Person beanstandet. GPSR-Durchsetzung ist damit keine theoretische Ankündigung mehr, sondern laufende Praxis, ein Vorgeschmack darauf, wie konsequent auch die neuen Fristen ab 2026/2027 kontrolliert werden dürften.

Fünf-Schritte-Checkliste für GPSR-Roadmap-Vorbereitung bei China-Sourcing

Für Händler, die aus China oder anderen Drittländern importieren, ergibt sich daraus eine klare Prioritätenliste:

  1. Verantwortliche Person jetzt absichern. Prüfe, ob für jedes Produkt eine EU-ansässige Verantwortliche Person mit vollständigen Kontaktangaben auf der Produktseite hinterlegt ist, das bleibt die Grundlage für alle weiteren Pflichten.
  2. Lieferantendokumentation auf 2026/2027 ausrichten. Frage bei Lieferanten aktiv aktualisierte Konformitätsnachweise nach neuen Normfassungen, der Maschinenverordnung (falls relevant) und der Batterieverordnung (falls relevant) an, lange bevor die Stichtage greifen.
  3. Technische Dokumentation lückenlos halten. Mit der neuen Produkthaftungsrichtlinie wird fehlende Dokumentation direkt zum Haftungsrisiko, nicht nur zum GPSR-Bußgeldrisiko.
  4. Produktkategorien auf Zusatzpflichten prüfen. Wer Maschinen, batteriebetriebene Geräte, Textilien oder Elektronik verkauft, sollte jetzt klären, welche der zusätzlichen Regelwerke neben der GPSR greifen, statt das erst kurz vor dem jeweiligen Stichtag zu tun.
  5. Fristen im Kalender verankern. Die Stichtage 9.12.2026, 20.1.2027 und 18.2.2027 liegen enger beieinander, als viele Händler erwarten, ausreichend Vorlauf für Lieferantenabstimmung ist der größte limitierende Faktor.

GPSR Pro Demo-Dashboard mit Compliance-Score und Produktstatus

Häufige Fragen zur GPSR-Roadmap 2026/2027

Ändert sich die GPSR selbst inhaltlich im Jahr 2027? Nein, die Kernpflichten der GPSR bleiben unverändert. 2026 und 2027 betreffen vor allem nachgelagerte Prüf- und Ausbauschritte, den Kommissionsbericht zur Systemverknüpfung (13.12.2026), die Bewertung des Marktplatz-Meldesystems (13.12.2027) und das Ende der Übergangsfrist für alte Normfassungen (27.10.2027).

Welche Frist betrifft die meisten Shopify-Händler mit China-Sourcing zuerst? In der Regel die Produkthaftungsrichtlinie zum 9. Dezember 2026, da sie unabhängig von der Produktkategorie für praktisch alle Importeure und Verantwortlichen Personen relevant wird.

Muss ich als kleiner Shopify-Shop die Maschinenverordnung oder Batterieverordnung beachten? Nur, wenn dein Sortiment tatsächlich unter den jeweiligen Anwendungsbereich fällt, etwa Elektrowerkzeuge oder Geräte mit größeren Batterien. Für reine Textil-, Deko- oder Konsumgüter-Sortimente ohne Antrieb oder Batterie sind beide Verordnungen in der Regel nicht relevant.

Wo finde ich den digitalen Produktpass im Detail? Der DPP ist Teil eines eigenen, umfangreichen Themenkomplexes, den wir separat in unserem Leitfaden zu GPSR, DPP und Green Claims behandeln.

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Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

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