GP GPSR Pro Kostenlos installieren
GPSR

GPSR & Nachhaltigkeit: Schnittstellen zu DPP & Green Claims

Wie GPSR, der Digitale Produktpass und die EmpCo-Richtlinie zusammenhängen: die Schnittstelle zu Nachhaltigkeit für Shopify-Händler verständlich erklärt.

GP GPSR Pro Redaktion
22. August 2026 9 Min
Inhalt dieses Artikels

Wer als Shopify-Händler die GPSR bereits umgesetzt hat, bekommt in den nächsten Jahren zwei weitere Pflichtenkreise dazu: den Digitalen Produktpass (DPP) aus der Ökodesign-Verordnung (ESPR) und die neuen Regeln für Nachhaltigkeitsaussagen aus der EmpCo-Richtlinie. Drei Regelwerke, ein gemeinsamer Nenner. Sie greifen an unterschiedlichen Stellen, betreffen aber oft dieselben Produkte, dieselben Lieferanten und dieselbe Produktseite. Dieser Artikel zeigt, was heute schon Pflicht ist, was noch kommt und wie die drei Regelwerke tatsächlich zusammenhängen, mit besonderem Blick auf Händler, die aus China oder anderen Drittländern sourcen.

GPSR, DPP und Green Claims im Überblick: Was heute schon gilt und was noch kommt

  1. Dezember 2024: Seit diesem Tag gilt die GPSR unmittelbar für jeden Online-Shop, der Verbraucherprodukte in der EU verkauft. Der Digitale Produktpass ist dagegen noch nicht verpflichtend, er startet gestaffelt ab 2027 zunächst für Batterien, Textilien und Elektrogeräte. Am unübersichtlichsten ist die Lage bei den Nachhaltigkeitsaussagen: Die vielzitierte Green Claims Directive (GCD) ist derzeit ausgesetzt, verbindlich wird stattdessen ab dem 27. September 2026 die EmpCo-Richtlinie.

Die folgende Übersicht ordnet ein, welches der drei Regelwerke was regelt und ab wann Händler tatsächlich handeln müssen.

RegelwerkRegeltBindend seit / abStatusBußgeldrahmen
GPSRProduktsicherheit, Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit13.12.2024in Kraftje nach Mitgliedstaat, national geregelt
DPP (ESPR)Materialdaten, Reparierbarkeit, Kreislauffähigkeitschrittweise ab 2027ESPR seit Juli 2024 in Kraft, DPP-Pflicht noch nicht gestartetnoch nicht final, national umzusetzen
Green Claims / EmpCoUmwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen im MarketingEmpCo ab 27.09.2026GCD ausgesetzt, EmpCo verbindlichbis zu 4 % des Jahresumsatzes (EmpCo, national unterschiedlich)

Nur die GPSR ist heute schon vollständig scharf. Die beiden anderen Regelwerke solltest du trotzdem jetzt einplanen, denn die Vorlaufzeit für Lieferantendaten und dokumentierte Nachhaltigkeitsaussagen ist lang.

Was ist der Digitale Produktpass (DPP) und was hat er mit GPSR zu tun?

Der Digitale Produktpass ist ein verpflichtender digitaler Datensatz, der Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck, Reparierbarkeit und Entsorgungshinweise zu einem Produkt bündelt und über einen QR-Code oder einen vergleichbaren Datenträger abrufbar ist. Rechtsgrundlage ist die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), seit Juli 2024 in Kraft. Startpunkt für den DPP selbst: 2027, gestaffelt. Ein vollständiger Rollout über weitere Produktgruppen ist bis etwa 2030 vorgesehen.

Der DPP verlangt unter anderem:

  • Angaben zur Materialzusammensetzung und zu verwendeten chemischen Stoffen
  • Daten zu Energieeffizienz und CO2-Fußabdruck
  • Reparatur- und Entsorgungshinweise
  • einen eindeutigen digitalen Identifikator, technisch meist über Standards wie GS1 Digital Link umgesetzt

Für die technische Umsetzung des Datenträgers reichen an dieser Stelle die Grundzüge, wichtiger ist die inhaltliche Nähe zur GPSR: Beide Regelwerke verlangen von dir als Wirtschaftsakteur strukturierte, auffindbare Produktdaten und beide werden von denselben Marktüberwachungsbehörden kontrolliert. Wer seine GPSR-Datenpflege bereits im Griff hat, baut damit die Grundlage, auf der sich DPP-Daten später erweitern lassen, statt bei null anzufangen.

Technisch verlinkt der DPP ein Produkt über einen eindeutigen Identifikator mit einer Online-Datenquelle, häufig über den GS1-Standard “Digital Link”, der bestehende Produktnummern wie GTINs mit einer aufrufbaren URL verbindet. Für die meisten Shopify-Händler bedeutet das in der Praxis: Die technische Anbindung übernimmt später ein DPP-Dienstleister oder eine App, entscheidend ist jetzt schon, dass die zugrunde liegenden Rohdaten (Materialangaben, Lieferantennachweise, Prüfzertifikate) überhaupt vorliegen. Fehlen diese Daten, hilft die beste technische Anbindung nichts.

DPP-Pflichtkategorien: Batterien, Textilien, Elektrogeräte, was Shopify-Händler jetzt vorbereiten sollten

Die ersten drei Produktgruppen mit DPP-Pflicht ab 2027 sind Batterien, Textilien und Elektrogeräte. Wenn du in einer dieser Kategorien verkaufst, lohnt sich die Vorbereitung schon jetzt, weil Lieferantendaten oft die längste Beschaffungszeit haben.

  • Batterien: Die separate Batterieverordnung läuft der DPP-Pflicht bereits technisch voraus, ein digitaler Batteriepass ist für Industrie- und Fahrzeugbatterien am weitesten fortgeschritten. Für Shopify-Händler mit batteriebetriebenen Produkten heißt das: Lieferanten jetzt nach Zellchemie- und Recyclingdaten fragen.
  • Textilien: Mode und Heimtextilien sind eine der ersten Pflichtkategorien. Wer hier bereits die GPSR-Anforderungen für Textilien umsetzt (siehe unseren Leitfaden zu GPSR für Textilien & Mode), sollte parallel Materialzusammensetzung und Faserherkunft dokumentieren.
  • Elektrogeräte: Für Elektronik gelten schon heute CE, LVD, EMV und RoHS unter der GPSR-Schwesterregulierung. Details dazu findest du in unserem Artikel zu GPSR für Elektrogeräte & Elektronik. Der DPP kommt hier als zusätzliche Datenebene oben drauf, nicht als Ersatz.

Green Claims und die EmpCo-Richtlinie: Was für Shopify-Händler wirklich gilt

Nein, die Green Claims Directive gilt noch nicht. Die EU-Trilogverhandlungen zur GCD scheiterten Anfang 2025 am politischen Widerstand, im Juni 2025 signalisierte die EU-Kommission die Rücknahme des Entwurfs. Verbindlich wird stattdessen die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers Directive), erlassen am 26. März 2024, von den Mitgliedstaaten bis 27. März 2026 umzusetzen und ab dem 27. September 2026 anzuwenden. Eine EU-Kommissionsstudie fand heraus, dass rund 53 % der geprüften Umweltaussagen vage, irreführend oder unbelegt waren, bei etwa 40 % fehlte jeder Beleg. Genau das will die EmpCo künftig verhindern.

Für deine Produktbeschreibungen, Kategorietexte und Social-Media-Posts bedeutet das ab September 2026 konkret:

Zulässig (mit Beleg)Unzulässig
”30 % recycelter Kunststoff” mit Prüfnachweis”Umweltfreundlich” ohne Erklärung
”CO2-Ausstoß seit 2020 um 25 % reduziert”, dokumentiert”Klimaneutral” allein durch Kompensation
FSC-zertifiziertes Holz mit Zertifikatsangabe”Nachhaltig hergestellt” ohne konkrete Angabe
Anerkanntes Siegel wie EU Ecolabel oder Blauer Engelselbst erstelltes Siegel ohne unabhängige Prüfung

Pauschale Begriffe wie “nachhaltig” oder “klimaneutral” bleiben also nur erlaubt, wenn sie belegbar sind und ein anerkanntes Zertifikat dahintersteht. Bei Verstößen drohen Abmahnungen, Unterlassungsklagen und Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes, die genaue Höhe hängt von der jeweiligen nationalen Umsetzung ab. Wie sich das zum bestehenden GPSR-Bußgeldrahmen verhält, ordnen wir weiter unten ein.

Die Schnittstelle: Wie GPSR, DPP und Green Claims/EmpCo zusammenhängen

GPSR, DPP und EmpCo klingen nach drei getrennten Baustellen, folgen aber derselben Logik: Alle drei nehmen dich als Wirtschaftsakteur in die Pflicht, verlangen strukturierte, auffindbare Produktdaten und werden von denselben Marktüberwachungsbehörden durchgesetzt. Der Unterschied liegt im Regelungsgegenstand. Die GPSR regelt, ob ein Produkt sicher ist und richtig gekennzeichnet wird. Der DPP regelt, welche Nachhaltigkeitsdaten zu einem Produkt vorliegen müssen. Die EmpCo regelt, was du über diese Nachhaltigkeit öffentlich behaupten darfst.

Zeitleiste und Zusammenhang zwischen GPSR, Digitalem Produktpass und der EmpCo-Richtlinie für Shopify-Händler

Am einfachsten lässt sich die Schnittstelle über die Zeitachse verstehen: GPSR ist bereits seit dem 13. Dezember 2024 bindend, die EmpCo wird ab dem 27. September 2026 verbindlich, der DPP folgt gestaffelt ab 2027. Wer GPSR-Daten sauber pflegt, hat die Grundstruktur für DPP-Daten bereits vorbereitet, und wer für den DPP belastbare Materialdaten sammelt, hat automatisch die Beweise in der Hand, die eine EmpCo-konforme Nachhaltigkeitsaussage erst zulässig machen. Die drei Regelwerke bauen also praktisch aufeinander auf, auch wenn sie formal unabhängig voneinander verhandelt wurden.

Drittland-Sourcing aus China: Was DPP und EmpCo für deine Lieferkette bedeuten

Wenn du aus China oder anderen Drittländern sourcest, betrifft dich diese Schnittstelle doppelt: Du bist ohnehin schon für die GPSR-Importeurspflichten verantwortlich (mehr dazu in unserem Leitfaden zu GPSR für Importeure), und du wirst künftig zusätzlich Nachhaltigkeitsdaten von Lieferanten einholen müssen, die diese Angaben heute oft noch gar nicht systematisch führen.

Konkrete Schritte, die sich jetzt schon lohnen:

  • Frage bei Lieferanten aktiv Materialzusammensetzung, Recyclinganteil und Herkunftsnachweise ab, auch wenn der DPP für deine Produktkategorie noch nicht verpflichtend ist.
  • Verlange nur Nachhaltigkeitsaussagen von Lieferanten, die sich mit einem Zertifikat oder Prüfbericht belegen lassen, sonst darfst du sie ab September 2026 selbst nicht mehr verwenden.
  • Baue die Lieferantenkommunikation in dieselben Prozesse ein, die du für GPSR-Konformitätsdokumente ohnehin schon nutzt, statt eine zweite, parallele Datensammlung aufzubauen.
  • Plane bei Textilien, Elektrogeräten und Batterien mit längeren Vorlaufzeiten, weil Fabriken in Drittländern für neue Datenanforderungen oft mehrere Monate Vorbereitung brauchen.

Unser Artikel zu GPSR-Mythen & Irrtümern räumt außerdem mit der verbreiteten Annahme auf, Drittland-Sourcing ließe sich einfach “mitlaufen lassen”. Für DPP und EmpCo gilt das genauso wenig wie für die GPSR.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis: Ein Shopify-Händler, der Textilien aus einer chinesischen Fabrik bezieht, hat für die GPSR meist schon eine Konformitätserklärung und Sicherheitsdaten vorliegen. Für den DPP fehlen daneben aber oft Angaben zum Fasermix, zum Recyclinganteil und zur Herkunft der Rohstoffe, Daten, die viele Fabriken heute noch gar nicht standardisiert erfassen. Wer diese Anfrage frühzeitig stellt, statt erst 2027 damit zu beginnen, vermeidet Verzögerungen beim Produktlaunch.

Bußgelder und Risiken: Was bei Verstößen gegen DPP oder EmpCo droht

Für DPP-Verstöße ist der konkrete Bußgeldrahmen noch nicht final, weil die Pflicht selbst erst ab 2027 startet und die nationale Umsetzung teilweise noch aussteht. Bei der EmpCo ist die Größenordnung dagegen schon absehbar: Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes, dazu Abmahnungen, Unterlassungsklagen und öffentliche Durchsetzungsmaßnahmen, die zusätzlich dem Ruf schaden. Anders als bei der GPSR reicht bei der EmpCo schon eine einzelne unbelegte Formulierung im Produkttext oder auf einem Social-Media-Post als Verstoß, eine systematische Kampagne ist nicht Voraussetzung.

Das kommt zu den bereits bestehenden GPSR-Risiken hinzu, die wir in unserem Artikel zu GPSR-Bußgeldern im Detail einordnen. Wichtig für die Priorisierung: GPSR-Verstöße werden schon heute aktiv kontrolliert, EmpCo-Verstöße erst ab September 2026. Wer jetzt aufräumt, vermeidet, dass sich mehrere Baustellen gleichzeitig stauen, statt kurz vor dem Stichtag alle drei Regelwerke parallel abarbeiten zu müssen.

Checkliste: In 6 Schritten GPSR-, DPP- und EmpCo-bereit werden

Sechs-Schritte-Checkliste für Shopify-Händler zur Vorbereitung auf GPSR, Digitalen Produktpass und EmpCo-Richtlinie

Die folgende Reihenfolge orientiert sich an den tatsächlichen Fristen der drei Regelwerke:

  1. GPSR-Pflichtangaben final prüfen. Nutze dafür unsere GPSR-Checkliste, bevor du zusätzliche Datenebenen aufbaust.
  2. Nachhaltigkeitsaussagen jetzt auditieren. Liste alle “nachhaltig”, “klimaneutral” oder “umweltfreundlich” formulierten Aussagen in Produkttexten und Social Media auf.
  3. Belege für jede Aussage einsammeln. Ohne Zertifikat oder Prüfbericht muss die Aussage bis September 2026 entweder belegt oder entfernt werden.
  4. Lieferanten in DPP-Pflichtkategorien kontaktieren. Bei Textilien, Elektrogeräten und Batterien jetzt Materialdaten anfordern, auch vor 2027.
  5. Nur anerkannte Siegel verwenden. EU Ecolabel, Blauer Engel oder vergleichbare unabhängig geprüfte Label statt selbst gestalteter Symbole.
  6. Verantwortlichkeiten festlegen. Bestimme, wer GPSR-, DPP- und EmpCo-Themen intern verantwortet, damit keine der drei Fristen unbemerkt verstreicht.

Häufige Fragen zu GPSR und Nachhaltigkeit

Muss ich den Digitalen Produktpass schon jetzt umsetzen?

Nein, der Digitale Produktpass ist noch nicht verpflichtend. Er startet gestaffelt ab 2027 zunächst für Batterien, Textilien und Elektrogeräte, weitere Produktgruppen folgen bis etwa 2030.

Gilt die Green Claims Directive für meinen Shopify-Shop?

Nein, die Green Claims Directive selbst ist derzeit ausgesetzt, weil die EU-Trilogverhandlungen Anfang 2025 scheiterten. Verbindlich wird stattdessen die EmpCo-Richtlinie ab dem 27. September 2026, die inhaltlich ähnliche Ziele verfolgt.

Wie hängen GPSR, DPP und Green Claims konkret zusammen?

Alle drei Regelwerke verlangen von dir als Wirtschaftsakteur strukturierte Produktdaten und werden von denselben Marktüberwachungsbehörden kontrolliert, unterscheiden sich aber im Gegenstand: GPSR regelt Produktsicherheit, der DPP regelt Nachhaltigkeitsdaten, die EmpCo regelt, was du über diese Daten öffentlich behaupten darfst.

Was passiert, wenn ich eine Nachhaltigkeitsaussage nicht belegen kann?

Ab September 2026 drohen bei unbelegten Aussagen wie “klimaneutral” oder “umweltfreundlich” Abmahnungen, Unterlassungsklagen und Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes, die genaue Höhe regelt jeder Mitgliedstaat national.

Betrifft die Schnittstelle auch Händler ohne Drittland-Sourcing?

Ja, grundsätzlich betreffen DPP und EmpCo alle Händler mit B2C-Geschäft in der EU. Bei Drittland-Sourcing kommt zusätzlich der Aufwand hinzu, Nachhaltigkeitsdaten aktiv bei Lieferanten außerhalb der EU einzuholen, die diese oft noch nicht systematisch bereitstellen.

GP

GPSR Pro Redaktion

Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

Weiterlesen